Virtuelle Präsentationen in der Sonderausstellung „Im Schatten der Pyramide“

Zum 101-jährigen Jubiläum der österreichischen Ausgrabungen in Gizeh präsentiert das Kunsthistorische Museum in Wien die  Sonderausstellung „Im Schatten der Pyramide“. Im Jahre 1912 legte ein österreichisches Grabungsteam die ersten Gräber in der Nähe der Cheops-Pyramide frei. Die geborgenen Objekte aus der Zeit des Alten Reiches (ca. 2.687 – 2.165 v.Chr.) gelangten anschließend in die Sammlung des Kunsthistorischen Museums und werden nun mit weiteren Leihgaben aus anderen Häusern in einer Sonderschau präsentiert.

Grabungsarbeiten am Fuße der Pyramiden, 1928 / © TU Wien

Grabungsarbeiten am Fuße der Pyramiden, 1928 / © TU Wien

Die „normalen“ museale Präsentation wird durch digitale Medien ergänzt. In Kooperation mit der Technischen Universität Wien wurde eine digitale Präsentationen entwickelt, mit deren Hilfe der Besucher eine virtuelle Zeitreise auf das Gizeh-Plateau unternehmen kann, sowohl in die Zeit des Alten Reiches, als auch in die der Ausgrabungen vor hundert Jahren und in die Gegenwart.

Das Gizeh-Plateau wurden mit Hilfe eines 3D-Laserscanners digitalisiert. Die gewonnenen Daten bzw. Punktwolken wurden anschließend an der TU Wien bearbeitet und in 3D-Moelle umgewandelt. Für die Panoramaaufnahmen der Pyramiden, die ebenfalls in die Visualisierung einflossen, kamen Drohnen zum Einsatz.

3D-Punktwolke des Gizaplateaus / © TU Wien

3D-Punktwolke des Gizaplateaus / © TU Wien

Digitales Panoramabild der Pyramiden / © TU Wien

Digitales Panoramabild der Pyramiden / © TU Wien

Die Präsentation soll nicht nur dem Ausstellungsbesucher Informationen vermitteln und ein reizvolles Erlebnis bieten, vielmehr wurde auch auf wissenschaftliche Tiefe und auf die Verknüpfung der Informationen geachtet, die interessierte Wissenschaftlern nutzen können.

Die Visualisierung an sich war nicht das Hauptproblem des Projekts, vielmehr das Zusammentragen der Informationen, die auf viele Bücher und verschiedene Archive verteilt sind. Außerdem liegen sie nur selten bereits digital vor.

Neben einem 3D-Flug über die Pyramiden wird eine virtuelle begehbare Grabkammer präsentiert. Die Artefakte wurden ebenfalls digitalisiert und als 3D-Modell in die virtuelle Grabkammer eingebaut.

Virtueller Rundgang durch eine Grabkammer / © TU Wien

Virtueller Rundgang durch eine Grabkammer / © TU Wien

Die Visualisierung der Grabkammer bietet nicht nur eine rekonstruierte Räumlichkeit, vielmehr handelt es sich um ein Informationssystem. Während sich der Besucher durch die Grabkammer navigiert werden Informationssymbole angezeigt. Bei Auswahl werden dann zu den Objekten bzw. Teilen der Grabkammer vertiefte Informationen dargestellt. So werden z.B. die Übersetzungen der Hieroglyphen-angezeigt.

Es gibt auch ein Video über die Präsentation:

Gemeinsame Herbsttagung der AG DANK und der AG CAA

Am 5. und 6. Oktober 2012 fand in den Räumen des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege im Rheinland die gemeinsame Herbsttagung der AG DANK (AG Datenanalyse und Numerische Klassifikation ) und der AG CAA (AG Computeranwendungen und Quantitative Methoden in der Archäologie) statt. Einige Beiträge der AG DANK sind bereits für einen Web-Veröffentlichung freigegeben worden.

Die Schwerpunkte der Tagung waren Datenanalysen und Klassifikationsmethoden in der Archäologie. Beide AGs weisen Überschneidungen in ihren Tätigkeitsfeldern auf, wie z.B.:

  • die Erstellung einer Klassifikation von Objekten mit ‚homogenen‘ Objektclustern oder Typen (Typologien)
  • die automatische Zuordnung von Objekten zu Klassen aufgrund erhobener Merkmale und Eigenschaften
  • die grafische Repräsentation von Daten, Ähnlichkeitsbeziehungen und Relationen zwischen Objekten (z.B. Funden, Befunden) in Form von Punktediagrammen, Liniendiagrammen, Abhängigkeitsnetzen, Hierarchien etc.
  • die quantitative Analyse zeitlicher und räumlicher Vorgänge, auch im Rahmen von geographischen Informationssystemen (GIS)
  • die Auswertung unscharfer oder vager Informationen (z.B. ungenauer Datierungen)
  • Kausal- und Zusammenhangsanalyse
  • die Realisierung von Klassifikations- und Datenanalyse-Methoden mittels geeigneter Software.

(Quelle: Tagungsankündigung auf der Homepage der AG CAA)

Freitag, 5. Oktober

Den Vorsitz des ersten Tages hatte Frau Irmela Herzog. Prof. Dr. Jürgen Kunow, Leiter des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege, begrüßte die Tagungsteilnehmer und stellte kurz die Aufgabenbereiche des Amts vor.  Frau Herzog stellte die AG CAA und Herr Hennig die AG DANK vor. Direkt im Anschluss begann der erste Vortrag.

Nakoinz, Oliver – Die Rekonstruktion kultureller Räume mittels Clusteranalyse

Anhand der Fürstensitze der älteren Eisenzeit demonstrierte Hr. Nakoinz die Anwendung der Cluster-Analyse, wobei er die Frage nach der Größe der Territorien nicht durch die Verwendung von Leitmotiven, sondern durch sog. „kulturelle Fingerprints“ ermittelte. Diese Fingerprints enthalten die relative Anzahl der versch. Artefakt-Typen. Grundlage ist die Annahme, dass eine archäologischen Kultur einen Cluster  räumlicher Analyseinheiten im Typenspektrum darstellt. so können Cluster von Typenspektren aus geografischen Einheiten erzeugt werden. Fazit des Vortrags: Universelle Methoden gibt es nicht, für jede Aufgabe existieren mehr oder weniger geeignete Methoden. E-Publikation zum Vortrag hier.

Herzog, Irmela – Ansätze zur Rekonstruktion von mittelalterlichen Verkehrsnetzen

Frau Herzog stellte eine neue Methode vor, bei der der „erlebte Raum“ nachvollzogen wird, im allgemeinem handelt es sich um einen least-cost-path Analyse. Grundlage der Auswertung stellt ein mittelalterliches Verkehrsnetz dar. Hierfür wurde eine Kostenmodell erstellt für das Distanzmaße erzeugt, eine für Wagen kritische Hangneigung einbezogen, feuchte Böden vermieden und Furten bevorzugt wurden. anschließend wurden versch. Modelle (Triangulation, kostenbasiertes minimum spanning tree, kostenbasiertes Basin Cluster-Verfahren, radiale Netzwerke)   durchgerechnet und vorgestellt. Fazit des Vortrags: Es gibt versch. Modelle zu kosten-basierten Netzwerkberechnung, aber hier besteht noch großer Forschungsbedarf.

Eckmeier, Eileen – PLS-Regression spektroskopischer Daten zur Analyse archäologischer Bodenrelikte

Basis dieser Analyse sind die Eigenschaften des ehemaligen Oberbodens die in Grubenverfüllungen gefunden werden. Es stellte sich die Frage ob die Farbe des Füllmaterials/Bodens mit dem Alter der Grube korreliert. Hierzu wurde die Spektrophotometrie angewendet und die Daten mit Hilfe der PLS (Partial Least Squares Regression), einem Multivarianten Analyseverfahren ausgewertet. Fazit des Vortrags: Es gibt keinen kausalen Zusammenhang zw. Farbe und organischer Zusammensetzung des Bodens und auch keinen Zusammenhang zw. Kohlenstoff und Farbhelligkeit für versch. Zeitstellungen. Möglicherweise gibt es aber einen Zusammenhang zw.  der Rotfärbung und der chronologischen Stellung des Bodens. hierzu müssen die weiteren Ergebnisse noch ausgewertet werden. E-Publikation zum Vortrag hier.

Hennig, Christian – Zeitliche Unsicherheit und Chronologien von Artefakten

Christian Hennig ging auf die Probleme bei der Datierung von Artefakten ein. Datengrundlage sind die Artefakttypen eines Surveys. Hierbei geht es unter anderem um die  Unsicherheit der Datierung, die man dadurch in den Griff bekommt, dass man z.B. einen Datierungs-Invervalle angibt (z.B. 70% römisch, 30%  hellenistisch). Es wurde eine Gesamtübersicht mit den Perioden als numerischer Ausdruck errechnet, aus der man entnehmen kann wie wahrscheinlich es ist das Typ X in einer bestimmten Periode auftritt. Eines der größten Probleme bei solchen Analysen ist die Sicherheit der Artefaktbestimmung durch einen Wissenschaftler bzw. durch ein ganzen Team. E-Publikation zum Vortrag hier.

Der Freitag wurde durch die Mitgliederversammlung AG DANK abgeschlossen

Samstag, 6. Oktober

Vorsitz: Christian Hennig

Mucha, Hans- Joachim – Visualisierung und Clusteranalyse

Anhand der Daten zu römischen Ziegeln (Spempel und Localität) von Jens Dolata wurden verschiedenen Arten der Visualisierung (hierarchisches und partielles Clustering, multivariante Projektion, Dendrogramme, Mapping findspots) von Daten vorgestellt und analysiert. E-Publikation zum Vortrag hier.

Interessant war auch die anschließende Präsentation der Analyseergebnisse eines Steinartefakt-Datensatzes zu älterpaläolithischen Steinartefakten aus Mitteldeutschland, Mitteleuropa und Europa aus dem Mittel- und Jungpleistozän von Thomas Weber, der im Vorfeld der Tagung zur Verfügung gestellten wurde. Hierbei sollte mit den Daten „gespielt“ und eigene und/oder neue Analyseansätze (z.B. Heteroskedastische Diskriminanzanalyse, Clusteranalyse von POPRDI4Y, Parallelkoordinatenplot, Quick cluster analysis etc.) ausprobiert werden. E-Publikationen der verschiedenen Auswertungen sind hier zu finden.

Nowak, Kathrin – Die Untersuchung mittelneolithischer Silexinventare unter Anwendung einer Faktorenanalyse

Kathrin Nowak ging mittels einer Faktorenanalyse der Aufnahmedaten von mittelneolithischer Silexartefakten der Frage nach, wie sich die Menschen mit Silex versorgt haben. Mit Hilfe der Faktorenanalyse wurden die Daten nach inhaltlichen und nach statistischen Kriterien strukturiert. Zum Einsatz kamen z.b. die Anti-Image-Korrelations-Matrix, das Kaiser-Meyer-Olkin-Kriterium, die Rotation nach Varimax und die Measure of sampling adequacy (MSA).

Röser, Christian – Zur Entwicklung eines deduktiven Klassifikationssystems für hochmittelalterliche bis neuzeitliche Keramik im Rheinland

Thema dieses Vortrags war die Frage, wie man für die Analyse einen sauberen Datensatz zu Funden einer Ausgrabung erstellt. Das Problem besteht im vorliegenden Fall darin, dass ein kein homogenes Klassifikationssysten für verschiedene Zeitstufen (z.B. Mittelalter bis frühe Neuzeit) gibt. Die Publikationen zu diesem Thema stammen größtenteils aus den 80er Jahren des vorangegangenen Jahrhunderts. Die Verfahren der induktiven und der deduktiven Klassifikation weisen, je nach Fragestellung, Vor- und Nachteile auf. Ziel ist die Entwicklung eines deduktiven Klassifikationssystems, da dieses Verfahren für homogene Fundspektren von verschiedenen Fundplätzen besser geeignet scheint. Das Konzept hierzu wurde am Beispiel der Randformen von Keramikgefäßen vorgestellt.

Abschlussdiskussion der Vorträge und der Tagung

Kleine Anekdote zum Schluss: Hans-Joachim Mucha nutze zum Testen von Analyseverfahren durch Microsoft Excel erzeugte Zufallszahlen….und stellte dabei erstaunt fest, dass diese „Zufallszahlen“ gar keine sind und einen feststellbaren System unterliegen.

Erkenntnis des Tages: Der Zufallsgenerator von Excel sollte für ernsthafte Untersuchungen und Testverfahren nicht verwendet werden.

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