• Guido Nockemanns ist Archäologe, Sammlungsleiter, Museumsmensch und obwohl vor 1980 geboren irgendwie doch ein "Digital Native".
    Sein Forschungsinteresse gilt neben dem Neolithikum und der Museums- und Sammlungsarbeit auch den Einsatzmöglichkeiten der IT sowie den Nutzungsmöglichkeiten des Web 2.0 und von Social Media in der archäologischen Forschung als auch im Museumsbereich.

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Digitalisierung von Inventarbüchern…und wie man es nicht machen sollte.

Zunächst einmal….grundsätzlich begrüße ich Initiativen wie die des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz. Sie gehen in die richtige Richtung, die Digitalisierung und Veröffentlichung von musealen Inventarbüchern ist absolut sinnvoll. Die Digitalisate der Inventarbücher des RGZM sind qualitativ wirklich hochwertig. Leider gibt es einige Punkte die meiner Ansicht nach verdeutlichen, dass man hier noch viel verbessern kann/soll/muss:

Wasserzeichen

Die Wasserzeichen (es gibt wirklich Institutionen die das noch machen ???) sind ein echtes no go. Sie sind nervig und störend. Ein Screenshot einer Inventarseite ist kommerziell eigentlich nicht verwertbar und druckbar schon gar nicht, da einfach eine entsprechende Auflösung fehlt. Mit Postkarten von Bildern der Seiten aus Inventarbüchern kann man sicher keine große Kasse machen. Also wozu das ganze? Und wieso gibt es keinen stufenlosen Zoom?

Suchfunktion

Die „Suchfunktion“. Nun ja, man kann nach Inventarnummern suchen….schön. Aber wenn man die Inventare nicht kennt ist das nicht wirklich zielführend. Also gibt man einfach mal eine Nummer an und kann die Seiten des entsprechenden Inventarbuches durchblättern. Hier zeigt das RGZM selber die Grenzen des Ganzen auf: „Um einen Eindruck von den Beständen des Museums zu erhalten, können Sie die Inventarbücher digital „durchblättern“ oder auch gezielt nach bestimmten Bänden oder Seiten suchen, wozu entsprechende Funktionen und eine Suchmaske zur Verfügung stehen.“ Mehr kann man so wohl auch nicht erwarten, leider.

Beispielseite aus dem Inventarbüchern des RGZM ...oder auch nicht? Vielleicht ist dieses Bild auch von mir selber erzeugt. Aufgrund von Lizenzfragen und Rechtsunsicherheit stelle ich keinen Screenshot der digitalisierten Inventarbücher ein.

Beispielseite aus dem Inventarbüchern des RGZM …oder auch nicht? Vielleicht ist dieses Bild auch von mir selber erzeugt. Aufgrund von Lizenzfragen und Rechtsunsicherheit stelle ich keinen Screenshot der digitalisierten Inventarbücher ein.

Lizenz?

Die Lizenz, unter der die Daten veröffentlicht wurden. Ja wo steht die eigentlich? Nirgendswo ein Hinweis, nur das Wasserzeichen suggeriert, dass hier jemand Angst um seine Rechte hat. Wann verstehen die „Betreiber“ der Museen endlich, dass dieses Wissen „allen“ gehört und auch frei zugänglich sein sollte (nach Pressemitteilung hat man es beim RGZM…oder doch nicht?). Was hätte man auch gewonnen, wenn man diese Wissen „beschützt“ bzw. den Zugang reglementiert? Und genau die hier aufgeführte „Lizenz“ (das @RGZM Wasserzeichen) ist nicht eindeutig und vermutlich so auch gar nicht rechtlich richtig, denn dieses „Copyright“ gibt es hierzulande so nicht. Dafür aber ein Urheberrecht, das automatisch entsteht und auf das gar nicht hingewiesen werden muss.

Urheberrecht auf Scans von Inventarbüchern?

Apropos Urheberrecht: Der hier dargestellte Inhalt, also das „geistige Werk“, sofern man bei einem Verwaltungsvorgang wie der Inventarisation von Museumsobjekten von einem solchen sprechen will, ist schon über 70 Jahre alt und damit rechtlich frei. Und ich bezweifel, dass das Scannen der Buchseiten ein „geistiger Akt“ war oder eine „Schöpfungshöhe“ erreicht hat, die schützenswert ist. Was hier aber noch passiert ist, dass ein nicht kommerzieller Blog wie dieser hier schon zur Illustration seines Beitrages keine Screenshot mit einem Beispiel aus dem Inventarbuch publizieren kann ohne mögliche rechtliche/finanzielle Konsequenzen fürchten zu müssen. Ich persönlich finde das für die Berichterstattung äußerst hinderlich. Natürlich könnte ich beim RGZM nach Pressematerial anfragen, ob ich entsprechende Fotos bekäme, aber das ist nicht das eigentliche Problem.

Open Access und dann Wasserzeichen mit Copyright?

Was allerdings verwirrend ist, das in der Pressemitteilung zu den online gestellten Inventarbüchern die Direktorin für Sammlungen Dr. Alexandra Busch, sich darüber im Klaren ist, das „die Archäologie und die Bedeutung unseres kulturellen Erbes allen Menschen, egal welchen Alters und welcher Herkunft zugänglich zu machen“ ist. Hierzu sollen auch die Publikationen des RGZM über Open Access zugänglich sein. Schön, aber was soll dann das Wasserzeichen auf den Digitalisaten der Inventarbücher? Irgendwie hat man da was nicht so ganz verstanden, Wasserzeichen stehen dem Open Access nach Definition entgegen.

Digitalisierung ist wichtig!

Noch einmal, grundsätzlich ist die Digitalisierung der Inventarbücher absolut begrüßenswert! Und sicherlich ist so etwas mit Arbeit und Aufwand verbunden. Nur leider ist das Ziel in diesem Fall nur halb umgesetzt. Nur die Scans von Seiten sind ein Anfang aber nicht genug. Rechtliche Sicherheit bei der Verwendung der Digitalisate, eine eindeutig Indizierung des Inhaltes, umfassende Suchfunktionen, mehr Datenbankstrukturen etc. sind von Nöten um die Digitalisate auch vernünftig recherchier und auswertbar zu machen.

Wissenschaftlich nutzbar?

Für mich als Wissenschaftler sind die digitalisierten Inventarbücher des RGZM so eigentlich nicht nutzbar. Wenn ich nach bestimmten Objekten suchen möchte, muss ich entweder alle Bücher durchsehen (was bei dem Umfang absolut nicht praktikabel ist) oder aber jemanden im RGZM anrufen und bitten, dass er mir die Inventarnummern der für mich wissenschaftlich interessanten Objekte gibt, mit denen ich dann in den Bücher suchen kann. Ganz abgesehen von der rechtlichen Situation bei den Abbildungen der Seiten und den dadurch nicht eindeutig definierten und rechtlich sicheren Möglichkeiten der wissenschaftlichen Nutzung dieser Abbildungen. Die in der Pressemitteilung angekündigte Transparenz steckt hier wohl noch in den Anfängen. Mir ist bewusst, das dieser Beitrag provokant ist und sicher für das RGZM in Mainz nicht bequem ist. Aber durch den Hinweis auf Probleme und nicht ausgeschöpfte Potentiale kann man vielleicht die Dinge verbessern.

Links:

Zukunftsvision: Kulturgut-Digitalisate in DNA-Speicher

Unsere Informationsgesellschaft steht vor dem Problem, wie sie Unmengen an Daten, die sie produziert, auch langfristig sicher archivieren kann. Zwei Forschern des Europäischen Bioinformatik-Instituts, Nick Goldman und Ewan Birney, haben vermutlich die Lösung gefunden. Ihnen ist es gelungen Daten, d.h. in diesem Fall die Informationen von Texten, Fotos und Musik, fehlerfrei in künstlich hergestellter DNA einzubauen. Bei der richtigen Lagerung ist diese synthetische DNA Jahrtausende lang haltbar. Darüber hinaus soll sie für den Menschen ungefährlich sein.

Nick Goldman zeigt in einem Proberöhrchen diesynthetische DNA, in der digitalen Informationen gespeichert sind (Quelle: EMBL Photolab.)

Nick Goldman zeigt in einem Proberöhrchen diesynthetische DNA, in der digitalen Informationen gespeichert sind (Quelle: EMBL Photolab.)

Ganz neu ist die Idee nicht, sie wurde bereits 1988 zum ersten mal erfolgreich eingesetzt. Der Vorteil der DNA-Speicher liegt auf der Hand. Im Gegensatz zu allen bisher bekannten Speichermedien ist seiner Haltbarkeit bzw. die der darauf gespeicherten Informationen kaum Grenzen gesetzt.

Die Kodierung der Informationen in DNA-Sequenzen ist in der Theorie recht einfach. Die DNA besteht aus einer Abfolge von  Nukleotiden, von denen es vier verschiedene Typen (A, T, C und C) gibt. Durch die Abfolgekombinationen ergibt sich die Erbinformation. Somit ist dieses System im Grunde genommen nichts anderes als eine im Prinzip mit dem Binärcode vergleichbares Verschlüsselungssystem. Im Magazin Nature stellen die Forscher ihre Methode vor.

Animiertes B-DNA-Modell (Quelle: Wikimedia - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bdna.gif / Public domain)

Animiertes B-DNA-Modell (Quelle: Wikimedia – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bdna.gif / Public domain)

Spannend ist auch die Größenordnung des Speicherplatzes. In der Theorie könnte alle derzeit bekannte digitale Information gespeichert werden, was etwa drei Zettabyte (3.000 Milliarden Milliarden Bytes) entspricht. Das World Wide Web würde z.Zt. etwas die Hälfte davon benötigen. Auf einem Gramm DNA könnten die Forscher 1 Million CDs speichern. Auch die Rückführung der DNA-Informationen zu digitalen Daten scheint keine großen Probleme zu bereiten. Den Forschern ist es zu 100 % gelungen.

Man kann nur hoffen, das diese Methode in nicht all zu ferner Zukunft in größeren Maßstab anwendbar ist, denn nach heutigen Stand der Technik stellt sie die einzige Möglichkeit dar, die existierenden und noch kommenden Datenmengen zu archivieren.

Vielleicht wird auch einmal der Mensch selber zum Träger seiner eigenen Kultur …etwas wie die Zukunftsvision der auswendig gelernten Bücher im Roman „Fahrenheit 451“ von 1951….und dann stelle man sich weiter vor, dass dieses Wissen sogar weitervererbt werden könnte…..

Quelle: Die Zeit online

Vorstellung des Portals der Vereinigung Westfälischer Museen auf museum-digital

Gestern wurde von der Vereinigung Westfälischer Museen e.V. im Archäologischen Museum der Universität Münster der Presse eine neue Internet-Objektdatenbank vorgestellt, ein „Objektportal“ auf museum-digital als online gestellte Datenbank, die den westfälischen Museen eine Plattform bietet, ihre Schätze online zu präsentieren. Dort sind nicht nur archäologische Stücke, sondern Objekte aus der ganzen Vielfalt der Museumslandschaft zu finden.

Museen arbeiten mit originalen, nicht mit virtuellen Objekten. Sie nutzen das Internet bisher als Medium für die Bewerbung von Ausstellungen und Aktivitäten. Als Medium für die Publikation von Objekten und ganzen Sammlungen dagegen wird es in Westfalen noch kaum genutzt. Archive und Bibliotheken haben ihre Bestände vielfach schon online erschlossen – Museen sind noch längst nicht so weit.

Der Vorsitzende der Vereinigung westfälischer Museen, Dr. Eckhard Trox (Lüdenscheid), hat nun in Münster ein „Objektportal“ vorgestellt, eine online gestellte Datenbank, die den westfälischen Museen eine Plattform bietet, ihre Schätze online zu präsentieren. Die Website, vom Institut für Museumskunde in Berlin entwickelt, ist ein niedrigschwelliges, für die Museen kostengünstiges Angebot zur Präsentation von Objekten. Es ist an die übergreifenden europäischen Objektportale (EUROPEANA) angeschlossen, die die eingestellten Objekte – vom Rubens-Gemälde aus dem Siegerlandmuseum bis zur Münze aus dem Heimatmuseum Marsberg – überall verfügbar machen.

Seit 2010 arbeitete ein Arbeitskreis unter Leitung von Manfred Hartmann (LWL-Museumsamt) an dem Projekt; und im Herbst letzten Jahres konnte Guido Nockemann (Marsberg), der ein solches Portal mit „museum-digital“ schon in Ostwestfalen realisiert hat, für den Ausbau gewonnen werden. Die Zahl der beteiligten Museen hat sich von 10 auf knapp 30 verdreifacht. Entscheidend dabei war, Mitarbeiter in den Museen zu schulen und in die Lage zu versetzen, selbständig weitere Exponate ins Netz einzustellen.

Damit ist zumindest ein Anfang gemacht! Bis alle (geschätzt) 10-20 Millionen Objekte der 160 Mitgliedsmuseen der westfälischen Museumsvereinigung – also die mobilen Kulturgüter in Öffentlichem Besitz in Westfalen ! – dort recherchierbar sein werden, wird es lange, vielleicht Jahrzehnte brauchen. „Die Museen allein“ – so der Vorsitzende Eckhard Trox – „können das nicht stemmen. Hier sind die Museumsträger gefragt, das Projekt zu priorisieren und Mittel bereitzustellen! Und das Land und der Bund, die die Digitalisierung der Bibliotheken und Archive schon mit erheblichen Sondermitteln gefördert haben. Anders als Bücher und Aktentitel sind Museumsobjekte viel aufwändiger, da man immer ein Bild braucht“.

Foto: Startschuss für www.museum-digital.de/westfalen im Archäologischen Museum der Universität Münster: v.r. Dr. Eckhard Trox (VWM-Vorsitzender) – Manfred Hartmann (VWMArbeitskreis Sammlungen und Internet) – Guido Nockemann (Spezialist für museum-digital)

Foto: Startschuss für http://www.museum-digital.de/westfalen im Archäologischen Museum der Universität Münster: v.r. Dr. Eckhard Trox (VWM-Vorsitzender) – Manfred Hartmann (VWMArbeitskreis Sammlungen und Internet) – Guido Nockemann (Spezialist für museum-digital)

Quelle: Text und Foto der Pressemitteilung der Vereinigung Westfälischer Museen e.V. vom 23.1.2012

Neue Ausgabe der „DAI weltweit“ online

Das Deutsche Archäologische Institut hat die zweite Ausgabe des Magazins „DAI weltweit“ online veröffentlicht.

In der neuen Ausgabe wird die Anwendung neuer Methoden, die Rettung kostbarer Bildbestände und die Fortschritte beim Aufbau einer digitalen Infrastruktur des DAI für die langfristige Verfügbarkeit, Lesbarkeit und Vernetzung digitaler Daten vorgestellt.

Die Themen sind:

  • Hightech History – Naturwissenschaften und digitale Technologien in der Archäologie
  • Luftbild – Das EU-Projekt ArchaeoLandscapes Europe
  • Kulturlandschaft Amazonien – Die Entdeckung vorspanischer Ringgrabenanlagen im LiDAR-Scan
  • Rom, imperial – Der Palatin als Herrschaftsarchitektur in 3D
  • Interview mit Ortwin Dally – Dokumentation, Digitalisierung und Datenbank
  • Übersetzungsleistung – Die Digitalisierung der Archive
  • IANUS – Das Forschungsdatenzentrum des DAI
  • Resafa – DAI-Kooperationspartner TU Berlin, Historische Bauforschung
  • Das Naturwissenschaftliche Referat des DAI
  • Mythos Olympia – Kult und Spiele

Besonders interessant ist der Artikel zu EU-Projekt ArchaeoLandscapes Europe und dem IANUS Projekt. Bei letzterem handelt es sich um den Aufbau nationales Zentrums für , unterschiedliche Dienstleistungen im Bereich digitaler Forschungsdaten und Langzeitarchivierung.

Nutzung von 3D-Scans in der Forschung zur paläolithischen Kunst

Am Archäologischen Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution im Schloss Monrepos (Neuwied) forscht Alexandra Güth an über 15.000 Jahre alten Schiefergravierungen des Fundplatzes Gönnersdorf.

Gönnersdorf, Detail der Schieferplatte 59 mit nach links gewendetem Pferdekopf. Gut erkennbar sind das Auge, Nüstern, Ganasche und Behaarung (Foto: MONREPOS Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution).

Die Auswertung der Schiefergravierungen geben neue Einblicke in die paläolithische Kunst und ihre soziale Bedeutung. Erstaunlich ist, dass diese Künstler bereits die Regeln des „Goldenen Schnitts“ beherrschten und nicht versuchten Dinge bzw. visuelle Eindrücke nachzuahmen. Typisch für den Fundplatz Gönnersdorf sind die schematische Frauendarstellungen („Gönnersdorferin„) und naturalistische Tiergravuren, die europaweit verbreitet waren. Mit ihnen offenbart sich eine Art überregionale Kommunikationsmittel bzw. Verständigungscode. Insgesamt konnten über 500 Frauen und 240 Tiergravuren festgestellt werden. Bemerkenswert ist außerdem, dass die untersuchten Schieferplatten nicht in einer eigenen „Werkstatt“ oder „Atelier“ gefunden wurden, sondern inmitten des Siedlungsgeschehens.

Ausgrabungen auf dem über 15.000 Jahre alten Fundplatz Gönnersdorf. Das Foto zeigt einen Ausschnitt aus de Grabungsfläche. Charakteristisch für Gönnersdorf ist die dichte Lage der vielen gravierten und ungravierten Schieferplatten (Foto: MONREPOS Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution).

Welche Rolle spielte Kunst in ihrer Anfangsgeschichte? Anhand der Gravuren kann folgenden Fragen nachgegangen werden:

  • Warum gibt es überhaupt Kunst?
  • Können Parallelen zwischen Bedeutung und Funktion der paläolithischen Kunst und der heutigen Kunst gefunden werden?

Diese Fragen können nur durch umfangreiche und tiefgehende Analysen beantwortet werden. Hierzu bediente man sich der Auswertung von hochauflösenden 3D-Scans von ausgesuchten Schieferplatten. Hierbei kam der 3D Scanner ATOS III/Gom zum Einsatz. Dabei handelt es sich um einen nach dem Prinzip des Streifenlichtscanners arbeitenden hochauflösenden optischen Digitalisierer, mit dem dreidimensionale Messdaten erzeugt werden können. Durch diese Technik können Objekte berührungslos und schonend digitalisiert werden, um anschließend die erfassten Oberflächeninformationen in einer Punktwolken am PC dreidimensional darzustellen. Die Messgenauigkeiten des ATOS III/Gom liegt, je nach Modell, zwischen 0,01 bis 0,79 mm. Ein Foto (und einige andere mehr) vom Versuchsaufbau mit Scanner und Rotationstisch (oberstes Bild) kann im öffentlich zugänglichen Teil des kostenpflichtigen Artikels  im Journal of Archaeological Science eingesehen werden.

Durch die erstmal vollständige objektive und metrische Erfassung der Gravierungen konnten Technik und Stil der Darstellungen eindeutig klassifiziert werden. Anhand der neu erkannten Details war es außerdem möglich die Lesart einzelner Figuren zu korrigiert. Darüber hinaus konnte die Abfolgen der Linien bestimmt werden, wodurch die Chronologie der Gravierungen bzw. Bilder rekonstruiert werden konnten.

Interessant ist auch die soziale Bedeutung dieser künstlerischen Arbeit und die Regeln der ästhetischer Wirkung, die bereits im Paläolithikum bekannt waren bzw. befolgt wurden. Es konnte festgestellt werden, das Pferdegravuren die noch heute als „schön“ empfunden werden, nach den Regeln des Goldenen Schnitts proportioniert wurden und sich deutlich in Metrik und Linienführung von den anderen „unschönen“ Motiven unterscheiden. Die große Anzahl an gravierten Schieferplatten und das Auftreten eines spezialisierten Künstlertums zeigt die große soziale Bedeutung dieser Bildsprache. Vielleicht können in Zukunft sogar Handschriften einzelner Künstler erkannt werden. Ein äußerst positiver und willkommener Nebeneffekt der Digitalisierung der Gravuren ist der damit verbundene dauerhafte Erhalt und Schutz des Kulturerbes.

Die Ergebnisse der Studie von Alexandra Güth am Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution (MONREPOS) wurden in der Oktoberausgabe des  Journal of Archaeological Science veröffentlicht.

Weitere Quellen:

Archäologie Online

Informationsdienst Wissenschaft

Publikation zur Digitalisierung einer archäologischen Sammlung

INFO:  Mir steht eine kleine Anzahl an Sonderdrucken des Artikels zur Verfügung, die ich bei „berechtigtem“ Interesse (z.B. an Institutionen oder Personen, die in diesem Bereich arbeiten) gerne kostenfrei abgebe. Schriftentausch ist natürlich auch willkommen 🙂

Druckfrisch in meinem Briefkasten angekommen, die Belegexemplare zu meinem Artikel im aktuellen Archäologischen Nachrichtenblatt. Es handelt sich um die ausführliche Fassung meines Vortrags in der AG Archäologie im Museum auf dem 7. Archäologiekongress in Bremen vom 3. bis zum 7. Oktober 2011.

Titel: 

Die Digitalisierung der archäologischen Sammlung des Landesmuseums Detmold –  Schlüssel zur internationalen Vernetzung

Vom Artefakt über museum-digital und Europeana zum kulturinteressierten Bürger und Wissenschaftler

Einleitung (aus dem Text):

„Im Folgenden wird das Digitalisierungsprojekt am Lippischen Landesmuseum Detmold vorgestellt und auf das zugrunde liegende Konzept, seine Durchführung, sowie wichtige Einzelheiten des Projekts eingegangen. Auch wenn einige Angaben sicher projektspezifisch sind, so sind die generellen Aussagen durchaus als Anregungen für andere Projekte zu verstehen.“

Inhalt:

Im Artikel wird auf folgende Themen bzw. Fragen eingegangen:

  • Ziel des Projekts bzw. warum Museen ihre Sammlung digitalisieren sollten
  • Ausgangslage des Projekts
  • Am Anfang war das Konzept
  • Was soll präsentiert werden?
  • Wer sollte die Digitalisierung durchführen?
  • Wie detailliert soll die Digitalisierung durchgeführt werden?
  • Wie groß soll der Umfang an zusätzlichen Daten (Pläne, Dokumente, etc.) sein?
  • Welche/r Thesaurus / Systematik soll bei der Erfassung verwendet werden?
  • Welche Datenbank soll zur Erfassung verwendet werden?
  • Was ist bezüglich Daten- und Dateiformate zu beachten?
  • Welche Online-Plattform soll verwendet werden?
  • Wie genau sollen die Angaben zum Fundort sein?
  • Wer erstellt die digitalen Fotografien?
  • Kleine Hürden
  • Konvolute oder Einzelobjekte?
  • Arbeitsablauf des Projekts
  • Arbeitsaufwand und –geschwindigkeit
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Ausblick

Zitat:

Guido Nockemann (2012): Die Digitalisierung der Archäologischen Sammlung am Lippischen Landesmuseum Detmold, in: Archäologisches Nachrichtenblatt 3/2012, Bd. 17, 280-289

Digitalisierung von Kulturgut – LWL-Volontärstagung

Am 11.10.2012 fand im Freilichtmuseum Detmold die LWL-Volontärtagung zum Thema „Digitalisierung von Kulturgut“ statt.

LWL-Volontärstagung „Digitalisierung von Kulturgut“ im Weißen Ross des LWL-Freilichtmuseums Detmold

Das Thema Digitalisierung stellt immer noch eine Herausforderung dar. Zum einen erfüllt sie den Auftrag der Institutionen das Kulturgut zu erhalten und zu sichern, zum anderen kann so der Pflicht nach gegangen werden, das Kulturgut der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die Durchführung einer Digitalisierung wird allerdings oft durch die immer weiter voranschreitende Streichung von Stellen im Kulturbetrieb erschwert oder sogar verhindert. Eine sinnvolle Digitalisierung kann nur durch Fachwissenschaftler oder sehr gut eingearbeitete ehrenamtliche Mitarbeiter durchgeführt werden und nicht von z.B. Praktikanten, da ihnen das Fachwissen fehlt. Ein anderes Problem sind die in vielen Institutionen nach wie vor verbreiteten Vorbehalte gegenüber einer Digitalisierung. So befürchtet man z.B. dass durch eine öffentlich einsehbare Objekt-Datenbank Dieben Vorschub geleistet werden würde (was nach Meinung des Autors völliger Unsinn ist, da besonders wertvolle Objekte normalerweise durch eigene Sicherheitssysteme geschützt werden, wie auch Magazine abgesichert sein sollten). Oder das so potentielle Besucher von einem Museumsbesuch abgehalten werden, da sie ja die Objekte bereits im Internet gesehen haben. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Das Original ist nach wie vor das, was Besucher sehen wollen und das Museum ist der Garant für diese Authentizität. Außerdem motiviert die vorangegangene Internetrecherche zu einem Besuch, da der User oft erst durch die Suche im Internet von einem Museum und seinen Objekte erfährt.  Thomas Bauer (Seite 17) stellt dies in seiner Magisterarbeit klar, ebenso die empirische Studie von Petra Schuck-Wersig und Gernot Wersig (Virtuelle Museumsbesucher – Empirische Studien zur technischen Außenrepräsentanz von Museen, Berlin 2000). Ein Artikel (Seite 90) von Werner Schweibenz hebt die Vorteile des Internets für Museen heraus. Desweiteren kann festgestellt werden, dass innerhalb der Institutionen die Tragweite, der Nutzen und die Möglichkeiten der Digitalisierung oft noch gar nicht richtig erkannt worden sind. Aber nicht nur der kulturinteressierte Bürger profitiert von der Digitalisierung. Sie erleichtert dem Wissenschaftler z.B. die Recherche nach Vergleichsstücken oder Objekten für eine Ausstellung.

Nach der Begrüßung durch die stellvertretende Museumsleiterin Gefion Apel und die Volontärssprecherinnen Maren Braun und Katharina Stütz hielt Maleen Knorr (LWL-Museumsamt für Westfalen) ihren Vortrag mit dem Titel „Von der Objektdokumentation zum digitalen Objektportal: Eine Herausforderung für Museen“ und gab damit eine umfassende Einführung in die Thematik.

Annika Neumann (LWL-Medienzentrum für Westfalen) stellte „FILM+SCHULE NRW“ vor, eine gemeinsame Initiative des Ministeriums für Schule und Weiterbildung NRW und des LWL-Medienzentrums für Westfalen. Die Initiative stellt Informationen und Materialien für den Unterricht bereit, gibt Onlinehinweise zu Unterrichtsmaterialien und Empfehlungen für Spielfilme. Diese Filme können über EDMOND NRW und dem Verleih der Medienzentren bezogen werden.

Anschließend berichtete der Blogauthor (Guido Nockemann) über das DAS-Projekt (Digitalisierung der archäologischen Sammlung des Landesmuseums Detmold) und ging auf die Themen Archäologie, digitales Kulturerbe und Vernetzung ein. Neben Fragen zum Konzept und Prozessstruktur wurde auch auf kleinere Hürden, den konkreten Ablauf der Digitalisierung und die Öffentlichkeitsarbeit eingegangen. Der Vortrag kann bei Slideshare eingesehen werden.

In eigener Sache: In der Novemberausgabe des Archäologischen Nachrichtenblatts wird ein Artikel über das DAS-Projekt („Die Digitalisierung der archäologischen Sammlung des Landesmuseums Detmold –  Schlüssel zur internationalen Vernetzung – vom Artefakt über museum-digital und Europeana zum kulturinteressierten Bürger und Wissenschaftler“) erscheinen, in dem das Projekt und sein Ablauf detaillierter dargestellt wird.

Nach der Mittagspause fand eine Führung durch die interessante Ausstellung „Schatzhüter“ des LWL-Freilichtmuseums statt.

Im letzten Vortrag ging Stefan Althaus (LWL-Kulturabteilung) auf die digitale Präsenz von Wissenseinrichtungen ein. Themen waren unter anderem museum digital oder wie der interessierte Bürger über Suchmaschinen schließlich zum Objekt bzw. zur Objektdatenbank gelangt.

Insgesamt war es eine gelungene Tagung mit einer sehr interessierten Hörerschaft und informativen Gesprächen. Meinen Dank an die Organisatoren für die Möglichkeit dort einen Vortrag halten zu können.

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