Beiträge der CAA Proceedings online

Die Proceedings der CAA (Computer Applications in Archaeology) sind bzw. werden online gestellt.

Bisher sind 627 Beiträge aus den Jahrgänge 1973 bis 1998 als PDF online, die folgenden sollen im Laufe des Jahres folgen.

Archäologie und Paläogenetik – DGUF-Tagung vom 9.-12. Mai 2013 in Erlangen

Zugegeben, die Meldung hat nichts mit Archäologie 2.0 zu schaffen, ist aber trotzdem nicht minder interessant.

Im Mai findet die Jahrestagung der DGUF statt.

Thema: Archäologie und Paläogenetik

In den vergangenen 20 Jahren hat die Archäologie mit der Paläogenetik eine Nachbarwissenschaft gewonnen, die die Möglichkeiten der Analyse und Interpretation menschlicher und tierischer Skelettfunde in ganz neue Dimensionen katapultiert hat. Aber zugleich beobachtet man auf kaum einem anderen Feld als der Paläogenetik derart radikale Kurswechsel, die in der archäologischen Fachwelt und Öffentlichkeit auch Verwirrung und Unverständnis hinterlasse.

Aus archäologischer Sicht brennen Fragen zur Humanevolution, zur Populationsdynamik und zur Domestikationsforschung unter den Nägeln. Hierzu hat die Paläogenetik innerhalb weniger Jahre zahlreiche neue Methoden, Tatsachen und Interpretationsmodelle geliefert. Die DGUF-Tagung 2013 „Archäologie und Paläogenetik“ möchte den aktuellen Stand erfassen und durchdringen, die validen Methoden, Ergebnisse und deren historische Konsequenzen präsentieren, aber auch die innerfachlichen Diskussionen und Divergenzen besser verstehen lernen sowie die Kongruenz und Divergenz zwischen Archäologie und Paläogenetik nachvollziehen.

(Quelle: Webseite der DGUF)

Infos zur Tagung hier.

Der Call for Papers läuft noch bis Ende Januar!

CAA-Workshop am 15.-16. Februar in Berlin

Der vierte CAA-Workshop der AG Computeranwendungen und Quantitative Methoden in der Archäologie (AG CAA) findet diesmal am 15. und 16. Februar im Excellenz-Cluster TOPOI der Freien Universität Berlin statt-

Im Rahmen des Workshops haben Wissenschaftler der verschiedenen archäologischen Disziplinen die Möglichkeit, die in ihren Projekten verwendeten quantitativen Methoden und computerbasierten Problemlösungen vorzustellen. Außerdem finden am Samstagnachmittag im Anschluss an die Tagung im Computerpool von TOPOI noch zwei Softwaretutorials statt. Angeboten werden Tutorials zu den Themen „Structure from Motion (SFM)“ und „LiDAR-Toolbox“.

Themen des Workshops sind unter anderem das Forschungsdatenzentrum IANUS, Structure from Motion und Laserscanning in der Grabungspraxis, die Rekonstruktion des Zeustempels von Olympia, die automatische Vektorzeichnung von Keilschrifttafeln aus 3D-Messdaten, ein mobiles GIS zur Dokumentation einer archäologischen Oberflächenbegehung, die freie GIS-Software gvSIG, die Evaluation einer GIS-basierter Methodik zur Rekonstruktion altneolithischer Besiedlungsstrukturen und die vollphotogrammetrische 3D-Entzerrung historischer Luftbilder.

Das Programm des Workshops ist bereits online. Infos zum Workshop finden sie hier.

Zur Teilnahme sind besonders Studierende und Doktoranden aufgefordert.

Gemeinsame Herbsttagung der AG DANK und der AG CAA

Am 5. und 6. Oktober 2012 fand in den Räumen des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege im Rheinland die gemeinsame Herbsttagung der AG DANK (AG Datenanalyse und Numerische Klassifikation ) und der AG CAA (AG Computeranwendungen und Quantitative Methoden in der Archäologie) statt. Einige Beiträge der AG DANK sind bereits für einen Web-Veröffentlichung freigegeben worden.

Die Schwerpunkte der Tagung waren Datenanalysen und Klassifikationsmethoden in der Archäologie. Beide AGs weisen Überschneidungen in ihren Tätigkeitsfeldern auf, wie z.B.:

  • die Erstellung einer Klassifikation von Objekten mit ‚homogenen‘ Objektclustern oder Typen (Typologien)
  • die automatische Zuordnung von Objekten zu Klassen aufgrund erhobener Merkmale und Eigenschaften
  • die grafische Repräsentation von Daten, Ähnlichkeitsbeziehungen und Relationen zwischen Objekten (z.B. Funden, Befunden) in Form von Punktediagrammen, Liniendiagrammen, Abhängigkeitsnetzen, Hierarchien etc.
  • die quantitative Analyse zeitlicher und räumlicher Vorgänge, auch im Rahmen von geographischen Informationssystemen (GIS)
  • die Auswertung unscharfer oder vager Informationen (z.B. ungenauer Datierungen)
  • Kausal- und Zusammenhangsanalyse
  • die Realisierung von Klassifikations- und Datenanalyse-Methoden mittels geeigneter Software.

(Quelle: Tagungsankündigung auf der Homepage der AG CAA)

Freitag, 5. Oktober

Den Vorsitz des ersten Tages hatte Frau Irmela Herzog. Prof. Dr. Jürgen Kunow, Leiter des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege, begrüßte die Tagungsteilnehmer und stellte kurz die Aufgabenbereiche des Amts vor.  Frau Herzog stellte die AG CAA und Herr Hennig die AG DANK vor. Direkt im Anschluss begann der erste Vortrag.

Nakoinz, Oliver – Die Rekonstruktion kultureller Räume mittels Clusteranalyse

Anhand der Fürstensitze der älteren Eisenzeit demonstrierte Hr. Nakoinz die Anwendung der Cluster-Analyse, wobei er die Frage nach der Größe der Territorien nicht durch die Verwendung von Leitmotiven, sondern durch sog. „kulturelle Fingerprints“ ermittelte. Diese Fingerprints enthalten die relative Anzahl der versch. Artefakt-Typen. Grundlage ist die Annahme, dass eine archäologischen Kultur einen Cluster  räumlicher Analyseinheiten im Typenspektrum darstellt. so können Cluster von Typenspektren aus geografischen Einheiten erzeugt werden. Fazit des Vortrags: Universelle Methoden gibt es nicht, für jede Aufgabe existieren mehr oder weniger geeignete Methoden. E-Publikation zum Vortrag hier.

Herzog, Irmela – Ansätze zur Rekonstruktion von mittelalterlichen Verkehrsnetzen

Frau Herzog stellte eine neue Methode vor, bei der der „erlebte Raum“ nachvollzogen wird, im allgemeinem handelt es sich um einen least-cost-path Analyse. Grundlage der Auswertung stellt ein mittelalterliches Verkehrsnetz dar. Hierfür wurde eine Kostenmodell erstellt für das Distanzmaße erzeugt, eine für Wagen kritische Hangneigung einbezogen, feuchte Böden vermieden und Furten bevorzugt wurden. anschließend wurden versch. Modelle (Triangulation, kostenbasiertes minimum spanning tree, kostenbasiertes Basin Cluster-Verfahren, radiale Netzwerke)   durchgerechnet und vorgestellt. Fazit des Vortrags: Es gibt versch. Modelle zu kosten-basierten Netzwerkberechnung, aber hier besteht noch großer Forschungsbedarf.

Eckmeier, Eileen – PLS-Regression spektroskopischer Daten zur Analyse archäologischer Bodenrelikte

Basis dieser Analyse sind die Eigenschaften des ehemaligen Oberbodens die in Grubenverfüllungen gefunden werden. Es stellte sich die Frage ob die Farbe des Füllmaterials/Bodens mit dem Alter der Grube korreliert. Hierzu wurde die Spektrophotometrie angewendet und die Daten mit Hilfe der PLS (Partial Least Squares Regression), einem Multivarianten Analyseverfahren ausgewertet. Fazit des Vortrags: Es gibt keinen kausalen Zusammenhang zw. Farbe und organischer Zusammensetzung des Bodens und auch keinen Zusammenhang zw. Kohlenstoff und Farbhelligkeit für versch. Zeitstellungen. Möglicherweise gibt es aber einen Zusammenhang zw.  der Rotfärbung und der chronologischen Stellung des Bodens. hierzu müssen die weiteren Ergebnisse noch ausgewertet werden. E-Publikation zum Vortrag hier.

Hennig, Christian – Zeitliche Unsicherheit und Chronologien von Artefakten

Christian Hennig ging auf die Probleme bei der Datierung von Artefakten ein. Datengrundlage sind die Artefakttypen eines Surveys. Hierbei geht es unter anderem um die  Unsicherheit der Datierung, die man dadurch in den Griff bekommt, dass man z.B. einen Datierungs-Invervalle angibt (z.B. 70% römisch, 30%  hellenistisch). Es wurde eine Gesamtübersicht mit den Perioden als numerischer Ausdruck errechnet, aus der man entnehmen kann wie wahrscheinlich es ist das Typ X in einer bestimmten Periode auftritt. Eines der größten Probleme bei solchen Analysen ist die Sicherheit der Artefaktbestimmung durch einen Wissenschaftler bzw. durch ein ganzen Team. E-Publikation zum Vortrag hier.

Der Freitag wurde durch die Mitgliederversammlung AG DANK abgeschlossen

Samstag, 6. Oktober

Vorsitz: Christian Hennig

Mucha, Hans- Joachim – Visualisierung und Clusteranalyse

Anhand der Daten zu römischen Ziegeln (Spempel und Localität) von Jens Dolata wurden verschiedenen Arten der Visualisierung (hierarchisches und partielles Clustering, multivariante Projektion, Dendrogramme, Mapping findspots) von Daten vorgestellt und analysiert. E-Publikation zum Vortrag hier.

Interessant war auch die anschließende Präsentation der Analyseergebnisse eines Steinartefakt-Datensatzes zu älterpaläolithischen Steinartefakten aus Mitteldeutschland, Mitteleuropa und Europa aus dem Mittel- und Jungpleistozän von Thomas Weber, der im Vorfeld der Tagung zur Verfügung gestellten wurde. Hierbei sollte mit den Daten „gespielt“ und eigene und/oder neue Analyseansätze (z.B. Heteroskedastische Diskriminanzanalyse, Clusteranalyse von POPRDI4Y, Parallelkoordinatenplot, Quick cluster analysis etc.) ausprobiert werden. E-Publikationen der verschiedenen Auswertungen sind hier zu finden.

Nowak, Kathrin – Die Untersuchung mittelneolithischer Silexinventare unter Anwendung einer Faktorenanalyse

Kathrin Nowak ging mittels einer Faktorenanalyse der Aufnahmedaten von mittelneolithischer Silexartefakten der Frage nach, wie sich die Menschen mit Silex versorgt haben. Mit Hilfe der Faktorenanalyse wurden die Daten nach inhaltlichen und nach statistischen Kriterien strukturiert. Zum Einsatz kamen z.b. die Anti-Image-Korrelations-Matrix, das Kaiser-Meyer-Olkin-Kriterium, die Rotation nach Varimax und die Measure of sampling adequacy (MSA).

Röser, Christian – Zur Entwicklung eines deduktiven Klassifikationssystems für hochmittelalterliche bis neuzeitliche Keramik im Rheinland

Thema dieses Vortrags war die Frage, wie man für die Analyse einen sauberen Datensatz zu Funden einer Ausgrabung erstellt. Das Problem besteht im vorliegenden Fall darin, dass ein kein homogenes Klassifikationssysten für verschiedene Zeitstufen (z.B. Mittelalter bis frühe Neuzeit) gibt. Die Publikationen zu diesem Thema stammen größtenteils aus den 80er Jahren des vorangegangenen Jahrhunderts. Die Verfahren der induktiven und der deduktiven Klassifikation weisen, je nach Fragestellung, Vor- und Nachteile auf. Ziel ist die Entwicklung eines deduktiven Klassifikationssystems, da dieses Verfahren für homogene Fundspektren von verschiedenen Fundplätzen besser geeignet scheint. Das Konzept hierzu wurde am Beispiel der Randformen von Keramikgefäßen vorgestellt.

Abschlussdiskussion der Vorträge und der Tagung

Kleine Anekdote zum Schluss: Hans-Joachim Mucha nutze zum Testen von Analyseverfahren durch Microsoft Excel erzeugte Zufallszahlen….und stellte dabei erstaunt fest, dass diese „Zufallszahlen“ gar keine sind und einen feststellbaren System unterliegen.

Erkenntnis des Tages: Der Zufallsgenerator von Excel sollte für ernsthafte Untersuchungen und Testverfahren nicht verwendet werden.

Digitalisierung von Kulturgut – LWL-Volontärstagung

Am 11.10.2012 fand im Freilichtmuseum Detmold die LWL-Volontärtagung zum Thema „Digitalisierung von Kulturgut“ statt.

LWL-Volontärstagung „Digitalisierung von Kulturgut“ im Weißen Ross des LWL-Freilichtmuseums Detmold

Das Thema Digitalisierung stellt immer noch eine Herausforderung dar. Zum einen erfüllt sie den Auftrag der Institutionen das Kulturgut zu erhalten und zu sichern, zum anderen kann so der Pflicht nach gegangen werden, das Kulturgut der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die Durchführung einer Digitalisierung wird allerdings oft durch die immer weiter voranschreitende Streichung von Stellen im Kulturbetrieb erschwert oder sogar verhindert. Eine sinnvolle Digitalisierung kann nur durch Fachwissenschaftler oder sehr gut eingearbeitete ehrenamtliche Mitarbeiter durchgeführt werden und nicht von z.B. Praktikanten, da ihnen das Fachwissen fehlt. Ein anderes Problem sind die in vielen Institutionen nach wie vor verbreiteten Vorbehalte gegenüber einer Digitalisierung. So befürchtet man z.B. dass durch eine öffentlich einsehbare Objekt-Datenbank Dieben Vorschub geleistet werden würde (was nach Meinung des Autors völliger Unsinn ist, da besonders wertvolle Objekte normalerweise durch eigene Sicherheitssysteme geschützt werden, wie auch Magazine abgesichert sein sollten). Oder das so potentielle Besucher von einem Museumsbesuch abgehalten werden, da sie ja die Objekte bereits im Internet gesehen haben. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Das Original ist nach wie vor das, was Besucher sehen wollen und das Museum ist der Garant für diese Authentizität. Außerdem motiviert die vorangegangene Internetrecherche zu einem Besuch, da der User oft erst durch die Suche im Internet von einem Museum und seinen Objekte erfährt.  Thomas Bauer (Seite 17) stellt dies in seiner Magisterarbeit klar, ebenso die empirische Studie von Petra Schuck-Wersig und Gernot Wersig (Virtuelle Museumsbesucher – Empirische Studien zur technischen Außenrepräsentanz von Museen, Berlin 2000). Ein Artikel (Seite 90) von Werner Schweibenz hebt die Vorteile des Internets für Museen heraus. Desweiteren kann festgestellt werden, dass innerhalb der Institutionen die Tragweite, der Nutzen und die Möglichkeiten der Digitalisierung oft noch gar nicht richtig erkannt worden sind. Aber nicht nur der kulturinteressierte Bürger profitiert von der Digitalisierung. Sie erleichtert dem Wissenschaftler z.B. die Recherche nach Vergleichsstücken oder Objekten für eine Ausstellung.

Nach der Begrüßung durch die stellvertretende Museumsleiterin Gefion Apel und die Volontärssprecherinnen Maren Braun und Katharina Stütz hielt Maleen Knorr (LWL-Museumsamt für Westfalen) ihren Vortrag mit dem Titel „Von der Objektdokumentation zum digitalen Objektportal: Eine Herausforderung für Museen“ und gab damit eine umfassende Einführung in die Thematik.

Annika Neumann (LWL-Medienzentrum für Westfalen) stellte „FILM+SCHULE NRW“ vor, eine gemeinsame Initiative des Ministeriums für Schule und Weiterbildung NRW und des LWL-Medienzentrums für Westfalen. Die Initiative stellt Informationen und Materialien für den Unterricht bereit, gibt Onlinehinweise zu Unterrichtsmaterialien und Empfehlungen für Spielfilme. Diese Filme können über EDMOND NRW und dem Verleih der Medienzentren bezogen werden.

Anschließend berichtete der Blogauthor (Guido Nockemann) über das DAS-Projekt (Digitalisierung der archäologischen Sammlung des Landesmuseums Detmold) und ging auf die Themen Archäologie, digitales Kulturerbe und Vernetzung ein. Neben Fragen zum Konzept und Prozessstruktur wurde auch auf kleinere Hürden, den konkreten Ablauf der Digitalisierung und die Öffentlichkeitsarbeit eingegangen. Der Vortrag kann bei Slideshare eingesehen werden.

In eigener Sache: In der Novemberausgabe des Archäologischen Nachrichtenblatts wird ein Artikel über das DAS-Projekt („Die Digitalisierung der archäologischen Sammlung des Landesmuseums Detmold –  Schlüssel zur internationalen Vernetzung – vom Artefakt über museum-digital und Europeana zum kulturinteressierten Bürger und Wissenschaftler“) erscheinen, in dem das Projekt und sein Ablauf detaillierter dargestellt wird.

Nach der Mittagspause fand eine Führung durch die interessante Ausstellung „Schatzhüter“ des LWL-Freilichtmuseums statt.

Im letzten Vortrag ging Stefan Althaus (LWL-Kulturabteilung) auf die digitale Präsenz von Wissenseinrichtungen ein. Themen waren unter anderem museum digital oder wie der interessierte Bürger über Suchmaschinen schließlich zum Objekt bzw. zur Objektdatenbank gelangt.

Insgesamt war es eine gelungene Tagung mit einer sehr interessierten Hörerschaft und informativen Gesprächen. Meinen Dank an die Organisatoren für die Möglichkeit dort einen Vortrag halten zu können.

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