Digitalisierung von Inventarbüchern…und wie man es nicht machen sollte.

Zunächst einmal….grundsätzlich begrüße ich Initiativen wie die des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz. Sie gehen in die richtige Richtung, die Digitalisierung und Veröffentlichung von musealen Inventarbüchern ist absolut sinnvoll. Die Digitalisate der Inventarbücher des RGZM sind qualitativ wirklich hochwertig. Leider gibt es einige Punkte die meiner Ansicht nach verdeutlichen, dass man hier noch viel verbessern kann/soll/muss:

Wasserzeichen

Die Wasserzeichen (es gibt wirklich Institutionen die das noch machen ???) sind ein echtes no go. Sie sind nervig und störend. Ein Screenshot einer Inventarseite ist kommerziell eigentlich nicht verwertbar und druckbar schon gar nicht, da einfach eine entsprechende Auflösung fehlt. Mit Postkarten von Bildern der Seiten aus Inventarbüchern kann man sicher keine große Kasse machen. Also wozu das ganze? Und wieso gibt es keinen stufenlosen Zoom?

Suchfunktion

Die „Suchfunktion“. Nun ja, man kann nach Inventarnummern suchen….schön. Aber wenn man die Inventare nicht kennt ist das nicht wirklich zielführend. Also gibt man einfach mal eine Nummer an und kann die Seiten des entsprechenden Inventarbuches durchblättern. Hier zeigt das RGZM selber die Grenzen des Ganzen auf: „Um einen Eindruck von den Beständen des Museums zu erhalten, können Sie die Inventarbücher digital „durchblättern“ oder auch gezielt nach bestimmten Bänden oder Seiten suchen, wozu entsprechende Funktionen und eine Suchmaske zur Verfügung stehen.“ Mehr kann man so wohl auch nicht erwarten, leider.

Beispielseite aus dem Inventarbüchern des RGZM ...oder auch nicht? Vielleicht ist dieses Bild auch von mir selber erzeugt. Aufgrund von Lizenzfragen und Rechtsunsicherheit stelle ich keinen Screenshot der digitalisierten Inventarbücher ein.

Beispielseite aus dem Inventarbüchern des RGZM …oder auch nicht? Vielleicht ist dieses Bild auch von mir selber erzeugt. Aufgrund von Lizenzfragen und Rechtsunsicherheit stelle ich keinen Screenshot der digitalisierten Inventarbücher ein.

Lizenz?

Die Lizenz, unter der die Daten veröffentlicht wurden. Ja wo steht die eigentlich? Nirgendswo ein Hinweis, nur das Wasserzeichen suggeriert, dass hier jemand Angst um seine Rechte hat. Wann verstehen die „Betreiber“ der Museen endlich, dass dieses Wissen „allen“ gehört und auch frei zugänglich sein sollte (nach Pressemitteilung hat man es beim RGZM…oder doch nicht?). Was hätte man auch gewonnen, wenn man diese Wissen „beschützt“ bzw. den Zugang reglementiert? Und genau die hier aufgeführte „Lizenz“ (das @RGZM Wasserzeichen) ist nicht eindeutig und vermutlich so auch gar nicht rechtlich richtig, denn dieses „Copyright“ gibt es hierzulande so nicht. Dafür aber ein Urheberrecht, das automatisch entsteht und auf das gar nicht hingewiesen werden muss.

Urheberrecht auf Scans von Inventarbüchern?

Apropos Urheberrecht: Der hier dargestellte Inhalt, also das „geistige Werk“, sofern man bei einem Verwaltungsvorgang wie der Inventarisation von Museumsobjekten von einem solchen sprechen will, ist schon über 70 Jahre alt und damit rechtlich frei. Und ich bezweifel, dass das Scannen der Buchseiten ein „geistiger Akt“ war oder eine „Schöpfungshöhe“ erreicht hat, die schützenswert ist. Was hier aber noch passiert ist, dass ein nicht kommerzieller Blog wie dieser hier schon zur Illustration seines Beitrages keine Screenshot mit einem Beispiel aus dem Inventarbuch publizieren kann ohne mögliche rechtliche/finanzielle Konsequenzen fürchten zu müssen. Ich persönlich finde das für die Berichterstattung äußerst hinderlich. Natürlich könnte ich beim RGZM nach Pressematerial anfragen, ob ich entsprechende Fotos bekäme, aber das ist nicht das eigentliche Problem.

Open Access und dann Wasserzeichen mit Copyright?

Was allerdings verwirrend ist, das in der Pressemitteilung zu den online gestellten Inventarbüchern die Direktorin für Sammlungen Dr. Alexandra Busch, sich darüber im Klaren ist, das „die Archäologie und die Bedeutung unseres kulturellen Erbes allen Menschen, egal welchen Alters und welcher Herkunft zugänglich zu machen“ ist. Hierzu sollen auch die Publikationen des RGZM über Open Access zugänglich sein. Schön, aber was soll dann das Wasserzeichen auf den Digitalisaten der Inventarbücher? Irgendwie hat man da was nicht so ganz verstanden, Wasserzeichen stehen dem Open Access nach Definition entgegen.

Digitalisierung ist wichtig!

Noch einmal, grundsätzlich ist die Digitalisierung der Inventarbücher absolut begrüßenswert! Und sicherlich ist so etwas mit Arbeit und Aufwand verbunden. Nur leider ist das Ziel in diesem Fall nur halb umgesetzt. Nur die Scans von Seiten sind ein Anfang aber nicht genug. Rechtliche Sicherheit bei der Verwendung der Digitalisate, eine eindeutig Indizierung des Inhaltes, umfassende Suchfunktionen, mehr Datenbankstrukturen etc. sind von Nöten um die Digitalisate auch vernünftig recherchier und auswertbar zu machen.

Wissenschaftlich nutzbar?

Für mich als Wissenschaftler sind die digitalisierten Inventarbücher des RGZM so eigentlich nicht nutzbar. Wenn ich nach bestimmten Objekten suchen möchte, muss ich entweder alle Bücher durchsehen (was bei dem Umfang absolut nicht praktikabel ist) oder aber jemanden im RGZM anrufen und bitten, dass er mir die Inventarnummern der für mich wissenschaftlich interessanten Objekte gibt, mit denen ich dann in den Bücher suchen kann. Ganz abgesehen von der rechtlichen Situation bei den Abbildungen der Seiten und den dadurch nicht eindeutig definierten und rechtlich sicheren Möglichkeiten der wissenschaftlichen Nutzung dieser Abbildungen. Die in der Pressemitteilung angekündigte Transparenz steckt hier wohl noch in den Anfängen. Mir ist bewusst, das dieser Beitrag provokant ist und sicher für das RGZM in Mainz nicht bequem ist. Aber durch den Hinweis auf Probleme und nicht ausgeschöpfte Potentiale kann man vielleicht die Dinge verbessern.

Links:

In eigener Sache: „Fach-Sprech“ und Gedanken zur 3D-Rekonstruktion der Bastion in Lemgo

In diesem Jahr ist ein wirklich interessantes Ebook „Visions of Substance: 3D Imaging in Mediterranean Archaeology“ erschienen (welches man auch in gedruckter Form beziehen kann):

Visions of Substance

Ebook „Visions of Substance“

Thema des Buches sind 3D-Rekonstruktionen, ihre Erstellung, Techniken, Probleme, Projekte usw. Eine wirklich gelungene Publikation, mit vielen interessanten Artikeln. Aber um das Buch soll es hier nicht gehen.

Ich durfte einen kurzen Beitrag für dieses Buch verfassen (auch wenn der Ort meines Projektes in NRW liegt und nicht im Mittelmeerraum). Leider sind im original Ebook die Links bei meinem Artikel defekt, daher habe ich den Beitrag etwas überarbeitet und als Auszug des Ebooks bei Academia eingestellt. Den Beitrag 3D Reconstruction of the Renaissance Bastion at the Langenbrücker Gate in Lemgo (Germany)“ finden Sie hier.

Nach dem Abschluss meiner Grabungen in Lemgo, wurde der Wunsch nach einer Rekonstruktion und Visualisierung der ehemaligen Bastion zur Präsentation auf der Webseite der Stadt Lemgo gewünscht. Über ein Projekt wurde das Model realisiert und 2013 veröffentlicht. Hier einige Screenshots:

3D-Model der Bastion am Langenbrücker Tor

3D-Model der Bastion am Langenbrücker Tor

3D-Model der Bastion am Langenbrücker Tor

Mein Grundgedanke, dass man den interessierten Laien etwas über die Grundlagen der Rekonstruktion und weiteren Rekonstruktions- möglichkeiten vermitteln müsse, wird ebenfalls in besagtem Artikel kurz angesprochen. In einem anderen Artikel zu diesem Projekt in Lemgo habe ich die Vorgehensweise bei der Rekonstruktion näher beschreiben und weitere Ergebnisse der Grabungen hier zusammengefasst vorgestellt. Auch das Resultat des Projektes, ein animiertes 3D-Model, ist frei zugänglich. Um dem Betrachter über dem Modell weitere Informationen zu vermitteln, kann er drei verschiedenen Blickwinkel wählen, mit dem Mauszeiger verschiedenen Bereiche des Models anklicken und so weitere Informationen erhalten. Am Ort der Grabung, wo heute die Befunde wegen der Nutzung als Verkehrsfläche bereits wieder verfüllt sind, steht eine Informationstafel, die über die Grabung und die Rekonstruktion berichtet.

Sicher kann man auch hier die Didaktik noch verbessern, aber im Rahmen der Mittel wurde versucht, dem Betrachter über verschiedene Medien (dem Model, Information innerhalb des Models, Publikationen, Infosteelen) Einsichten in die Grundlagen der Rekonstruktion und seinem Entstehungsprozess zu geben. Aus heutiger Sicht würde ich beim nächsten Rekonstruktionsmodel die Didaktik viel mehr einbeziehen und der Vermittlung der Inhalte größeren Raum geben. Immer wieder stelle ich fest, das wir Wissenschaftler einfach viel zu nah an der Materie sind um einem Laien bzw. Nicht-Wissenschaftler unsere Argumente und Vorgehensweisen transparent und vor allem verständlich darzustellen. Wir sollten uns viel öfters fragen, ob unser „Fach-Sprech“ überhaupt beim „Kunden“ ankommt…und wenn ja…wie? Sonst hören wir uns an wie…Unternehmensberater 😉

Links:

3D Reconstruction of the Renaissance Bastion at the Langenbrücker Gate in Lemgo (Germany)

Rekonstruktion der renaissancezeitlichen Festungsanlage am Langenbrücker Tor in Lemgo (Kreis Lippe, Regierungsbezirk Detmold)

Lemgo – Langenbrücker Tor – Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen Kampagnen 2010 / 2011

3D-Model der renaissancezeitlichen Bastion am Langenbrücker Tor in Lemgo

Ebook : Visions of Substance

Buch: Visions of Stubstance

ISSN für den Blog „Archäologie 2.0“

Der Blog „Archäologie 2.0“ verfügt ab sofort über eine eigenen ISSN-Nummer!

Archäologie 2.0   –  ISSN   2197-5264

Die ISSN für diesen Blog wird oben in der rechten Seitenleiste, als auch im Impressum angegeben.

ISSN Barcode explained, CC-BY-SA 3.0 (Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Issn-barcode-explained.png)

ISSN Barcode explained, CC-BY-SA 3.0 (Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Issn-barcode-explained.png)

Was ist die ISSN?

Die ISSN (International Standard Serial Number) ist eine international verbindliche Standardnummer und dient einzig – unabhängig von Sprache, Schrift, Zitierform, Erscheinungsweise, Verlag, Erscheinungsland u. a. – der kurzen unverwechselbaren Identifikation von fortlaufend erscheinenden Publikationen. Sie enthält keine inhaltlichen Informationen, wie z.B. über den Verleger oder das Erscheinungsland. Die ISSN ist eine achtstellige Zahl, die aus den (arabischen) Ziffern 0 – 9 gebildet wird. Sie wird durch die vorangestellten Buchstaben ISSN gekennzeichnet. Die letzte Ziffer ist eine Prüfziffer und kann auch ein „X“ sein (z. B. ISSN 0176-6996, ISSN 1430-855X).

(Zitat-Quelle: http://www.dnb.de/DE/Wir/Kooperation/ISSN/issnFAQ.html#doc32066bodyText9=

Für den Blog hat es einige Vorteile:

  • Weltweit eindeutigen Identifier
  • Der Blog ist mit seiner ISSN in die Bibliothekskataloge aufgenommen, so auch in der Deutschen Nationalbibliografie
  • Der Blog ist von der DNB in die Langzeitarchivierung aufgenommen worden
  • Die Zitirbarkeit von Blogbeiträge erheblich erleichtert worden

Die Erteilung der ISSN für Blogs steht in Deutschland noch am Anfang, in Frankreich ist man dort schon weiter.

Weiter Infos zur ISSN hier.

Three-Dimensional Modeling in Mediterranean Archaeology: An Open Invitation

Bill Caraher, ein vom Historiker zum Archäologen „mutierter“ Professor an der University of North Dakota at Grand Forks, dokumentiert in seinem Blog „The Archaeology of the Mediterranean World“ seine Gedanken und Ideen zur Archäologie im mediterranen Raum. In einigen Beiträgen widmet er sich der Anwendung vom 3D-Techniken in der Archäologie. In dem hier rebloggte Artikel ruft er andere Wissenschaftler auf zu diesem Thema Artikel bei ein einzureichen, die er dann elektronisch publizieren möchte. Als Aufhänger stellt er vier Fragen, auf deren Beantwortung ich schon gespannt bin.

The Archaeology of the Mediterranean World

The positive response to my call for blog posts on issues centered on 3D modeling in Mediterranean archaeology has continued. For recent posts on this topic see here, here, and here.

My motivation for doing this came from this a number of sources. The most proximate inspiration came from a recent, fine article: Brandon Olson, Ryan A. Placchetti, Jamie Quartermaine, and Ann E. Killebrew, “The Tel Akko Total Archaeology Project (Akko, Israel): Assessing the suitability of multi scale 3D field recording in archaeology,” Journal of Field Archaeology 38 (2013), 244-262 (check out my brief summary and discussion here)‘ I’ve also been amazed and inspired by some of Sebastian Heath’s recent work with the Kenchreai Excavations; Adam Rabinowitz’s interest in new ways to document both ongoing excavations and archives (e.g. here); Eric Poehler’s work at the Pompeii Quadraporticus Project; my wife’s encounters with 3D…

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Petition gegen die Einsparungspläne bei der Archäologie von NRW sorgt für Aufsehen

Die Petition der DGUF gegen die Streichung der Mittel für die Archäologie und Denkmalpflege in NRW sorgt für einiges Aufsehen.

Bisher haben über 14.500 Menschen die Petition gezeichnet, aber das reicht noch nicht!

Die Landesregierung in NRW muss ein deutliches Signal bekommen, ihre Pläne doch noch einmal zu überdenken. Denn sollten die Mittel bis 2015 wirklich auf Null oder einen so geringen Betrag der kaum Handlungsmöglichkeiten bietet zusammengestrichen werden, ist es aus mit der Archäologie und Denkmalpflege in NRW. Dann können unbekannte Denkmäler nicht mehr gefunden, geschützt, dokumentiert und erhalten werden, bekannte Denkmäler geschützt und gepflegt werden, die Museen werden nichts aktuelles mehr zu zeigen haben, die Forschung wird stagnieren, da keine neuen Erkenntnisse durch neue Funde und Fundplätze gemacht werden können.

Die Pläne der Landesregierung bedeutet die Vernichtung von Kultur und unser aller Geschichte. War der Bagger erst einmal da, ist es zu spät und unser Kulturgut unwiederbringlich verloren.

Dabei will NRW doch eine Kultur und Wissenschaftsstandort sein. Man könnte meinen, dass sich das nur auf Bereiche bezieht, die wirtschaftlich profitabel sind. Dabei sind die Einsparungen bei der Archäologie und Denkmalpflege im Verhältnis minimal, der Schaden aber maximal.

Sagte die Ministerpräsidentin des Landes NRW, Hannelore Kraft in ihrer Regierungserklärung vom 12.9.2012 (Seite 15 unten) nicht:

„Kunst und Kultur sind kein Luxus – und dürfen es gerade in schwierigen Zeiten nicht sein“

….da muss man fragen wo die Umsetzung ihrer Aussage bleibt?

Hier geht es zur Petition

Informationen:

  • Aufruf der DGUF gegen die Sparpläne der NRW-Landesregierung („DGUF“, 10.4.)
  • Hier der Pressepiegel zur Petition. Presse, Funk und Fernsehen sind aufmerksam geworden und viele kleinere Verlage/Zeitungen zeigen auch wie sich die Einsparungen ganz konkret auf die jeweilige Stadt auswirken würde („DGUF“, 10.4.)
  • Der WDR berichtete in der Lokalzeit über die Einsparungen. Das Video ist noch 7 Tage in der Mediathek einsehbar („WDR“, 9.4)

Wikidata trifft Archäologie

In der Bibliothek des Auswärtigen Amtes fand am 16.3.2013 das eintägige Symposium „Wikidata trifft Archäologie“ statt. Als Teilnehmer kann ich nur sagen, dass die Organisation und das Rahmenprogramm wirklich vorbildlich war. Insgesamt nahmen über 60 Teilnehmer aus sechs Ländern teil.

Wikidata trifft Archäologie 2013 in der Bibliothek des Auswärtigen Amtes (Foto: Katja Ullrich (WMDE) CC-BY-SA 3.0)

Wikidata trifft Archäologie 2013 in der Bibliothek des Auswärtigen Amtes
(Foto: Katja Ullrich (WMDE) CC-BY-SA 3.0)

Thema der Tagung war vorrangig die Sammlung und freie Präsentation von Geodaten aus der Archäologie.

Liste der Vorträge:

Alle Vorträge sind als PDFs bzw. Video bei Wikipedia hinterlegt und frei zugänglich.

Ausführlichere Darstellungen, inkl. von kurzen Darstellungen der Vorträge, sind auf der Wikipedia-Seite „Wikidata trifft Archäologie 2013“ und auf dem Blog von Wikimedia publiziert.

Zum Abschluss des Symposiums wurde über die weiteren Möglichkeiten und Problemstellungen in der breiten Wissensvermittlung diskutiert. Bei der Diskussion wurde auch deutlich, dass noch viel Vermittlungsarbeit zwischen den Wissenschaftlern bzw. Wissens-Gatekeepern und den Wissens-Verteilern, wie etwa Wikipedia aufgewendet werden muss. Während die Wissens-Verteilern sich mehr Kooperation und mehr Datenmaterial von den Wissenschaftlern wünsche, sorgen sich die Wissenschaftler um die Qualität und Konsistenz der bereitgestellten Daten.

Hier liegt gerade im Konzept von Wikipedia bzw. Wikidata  das Problem. Einerseits jeder kann mitwirken, was sicher der richtige Weg ist. Andererseits ist gerade dieses offene System das Problem, da so die Konsistenz und Vertrauenswürdigkeit wissenschaftlicher Forschungsdaten nicht garantiert werden kann. Hier müssen noch Wege gefunden werden, dies sicher zustellen.

Die Zusammenstellung und Publikation von wissenschaftlichen Sachverhalten auf der Plattform von Wikipedia ist ein weiterer schwieriger Punkt. Hier gibt es zum einen das Problem, dass den schreibenden Nicht-Wissenschaftler bei der Interpretation oder sachlichen Darstellung eines archäologischen Themas öfters Fehler unterlaufen, was nicht verwundert, da ihnen die wissenschaftliche Ausbildung fehlt. Zum anderen sind zuwenige Wissenschaftler bei Wikipedia aktiv, um eben dort die Qualität zu verbessern. Ganz abgesehen davon, dass es unsereins oft nicht leicht fällt Texte allgemein verständlich zu schreiben, ohne den belehrenden Finger zu heben oder sich in Details zu verlieren.

Zusammenfassend lässt sich dennoch feststellen, dass man auf dem richtigen Weg ist….aber noch viel Arbeit zu bewältigen ist.

(Foto: Katja Ullrich (WMDE) CC-BY-SA 3.0)

(Foto: Katja Ullrich (WMDE) CC-BY-SA 3.0)

Beiträge der CAA Proceedings online

Die Proceedings der CAA (Computer Applications in Archaeology) sind bzw. werden online gestellt.

Bisher sind 627 Beiträge aus den Jahrgänge 1973 bis 1998 als PDF online, die folgenden sollen im Laufe des Jahres folgen.

Nachrichtendienst für Historiker (NFH) wegen LSR offline

Nachrichtendienst für Historiker (NFH) wegen LSR offline (Artikel bei Heise.de)

Der Nachrichtendienst für Historiker (NFH) stellt wegen der Entscheidung zum LSR erstmal seinen Dienst ein.

Aufgrund der unsicheren Rechtslage bezüglich des Leistungsschutzrechtes will der Betreiber erst einmal abwarten. Verständlich, denn er wie auch andere Newsaggregatoren betreiben solche Dienste nicht mit wirtschaftlichem Hintergrund. Entweder aus Freude an der Sache und /oder aus wissenschaftlichem Antrieb. Und diese Menschen haben keine findige Rechtsabteilung die sie vor Schaden bewahrt.

Schade ist auch, dass Google bisher noch keine klare Stellung bezogen hat. Außerdem wird befürchtet, dass Google einen Deal mit den Verlegern eingeht. Verlierer sind die kleinen und „ehrenamtlichen“ Dienste.

Auch mein „Archäologe 2.0“ bzw. die „Archäologischen Nachrichten“ ist davon betroffen. Im Zweifelsfall werde ich dort nur noch auf unbedenkliche Quellen zurückgreifen, d.h. Quellen aus dem Ausland oder solche bei denen klar ist, dass sie keinen Anspruch im Sinne des LSR erheben wollen.

Auf jeden Fall wird dadurch die Newslandschaft im deutschen Web wesentlich ärmer. Das könnte der Beginn einer traurigen Entwicklung sein…unsere Politik versagt ja offenbar und handelt ausschließlich im Sinne der Verleger, die es seit Jahren versäumt haben ihre Geschäftsmodelle der Realität anzupassen.

Esri gibt ebook “Agent Analyst: Agent-Based Modeling in ArcGIS” kostenlos zum Download frei

Für diejenigen, die mit ArcGIs arbeiten und Agent-Based Modeling betreiben, ist dieses 559 Seiten starke (!) ebook wirklich interessant:

„Agent Analyst: Agent-Based Modeling in ArcGIS“

Autoren: Kevin M. Johnston (Editor), Daniel G. Brown, Nicholson Collier, Hamid R. Ekbia, Mary Jo Fraley, Elizabeth R. Groff, Michelle A. Gudorf, Naicong Li, Arika Ligmann-Zielinska, Michael J. North, Derek T. Robinson, and Nathan Strout / Esri Press 2012

Das Buch ist in fünf Kapitel aufgeteilt, in der die einzelnen für eine agentenbasierte Simulation nötigen Techniken und Funktionen des Programms „Agent Analyst“  in Form von Übungen erarbeitet werden. Zum Beispiel wird erläutert wie man Agentenbasierte Modelle mit Punkten, Polygonen Rastern und Netzwerken erstellt.

Die verwendete Software, „Agent Analyst“, ist ein mit ArcGIS kompatibles open source Programm. Um die Übungen komplett abschließen zu können wir neben der Agent Analyst Software auch ArcGIS Desktop 10 benötigt. Interessierte können eine 60-Tage-Trial Version von ArcGIS Desktop 10 downloaden. Auf der Seite der University of Redlands werden neben dem Programm „Agent Analyst“  auch drei Tutorials zur Software angeboten.

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Foto: Quinn Dombrowski (Fotorechte siehe http://www.flickr.com/people/quinnanya/)

Das Agent-Based Modeling, kurz ABM, ist ein computergestützten Verfahren, um Simulationen und Modelle zu erstellen bzw. zu überprüfen. Hierbei werden sogenannte „Agenten“ verwendet. Dies sind unabhängige Individuen, die in beschränktem Maße ihre „Umwelt“ wahrnehmen und mit ihr und anderen Agenten interagieren können. Dabei werden den Agenten Verhaltensregeln vorgegeben, die sozusagen die Stellschrauben der Simulation darstellen. Man unterscheidet grob zwei Modelltypen. Entweder wird ein einzelner Agent in eine „Welt“ eingesetzt, mit der er dann interagiert, oder es wird eine größere Anzahl an Agenten /Agentengruppen eingesetzt, die mit anderen und ihrer Umwelt  interagieren können und auch eine „Gesellschaft“ bilden können.

Zu den Grundlagen des ABM sei auf ein Tutorial  (Agent-based modelling and simulation“) verwiesen, dass im Journal of Simulation publiziert wurde.

Gerade in der Archäologie eröffnen sich durch das ABM neue Möglichkeiten um Netzwerke, landschafts-, siedlungs- und gesellschaftsdynamische Prozesses zu untersuchen. Ein interessantes Beispiel ist z.B. eine agentenbasierte Simulation für den bronzezeitlichen Salzbergbau in Hallstatt.

Quellen:

Publikation zur Digitalisierung einer archäologischen Sammlung

INFO:  Mir steht eine kleine Anzahl an Sonderdrucken des Artikels zur Verfügung, die ich bei „berechtigtem“ Interesse (z.B. an Institutionen oder Personen, die in diesem Bereich arbeiten) gerne kostenfrei abgebe. Schriftentausch ist natürlich auch willkommen 🙂

Druckfrisch in meinem Briefkasten angekommen, die Belegexemplare zu meinem Artikel im aktuellen Archäologischen Nachrichtenblatt. Es handelt sich um die ausführliche Fassung meines Vortrags in der AG Archäologie im Museum auf dem 7. Archäologiekongress in Bremen vom 3. bis zum 7. Oktober 2011.

Titel: 

Die Digitalisierung der archäologischen Sammlung des Landesmuseums Detmold –  Schlüssel zur internationalen Vernetzung

Vom Artefakt über museum-digital und Europeana zum kulturinteressierten Bürger und Wissenschaftler

Einleitung (aus dem Text):

„Im Folgenden wird das Digitalisierungsprojekt am Lippischen Landesmuseum Detmold vorgestellt und auf das zugrunde liegende Konzept, seine Durchführung, sowie wichtige Einzelheiten des Projekts eingegangen. Auch wenn einige Angaben sicher projektspezifisch sind, so sind die generellen Aussagen durchaus als Anregungen für andere Projekte zu verstehen.“

Inhalt:

Im Artikel wird auf folgende Themen bzw. Fragen eingegangen:

  • Ziel des Projekts bzw. warum Museen ihre Sammlung digitalisieren sollten
  • Ausgangslage des Projekts
  • Am Anfang war das Konzept
  • Was soll präsentiert werden?
  • Wer sollte die Digitalisierung durchführen?
  • Wie detailliert soll die Digitalisierung durchgeführt werden?
  • Wie groß soll der Umfang an zusätzlichen Daten (Pläne, Dokumente, etc.) sein?
  • Welche/r Thesaurus / Systematik soll bei der Erfassung verwendet werden?
  • Welche Datenbank soll zur Erfassung verwendet werden?
  • Was ist bezüglich Daten- und Dateiformate zu beachten?
  • Welche Online-Plattform soll verwendet werden?
  • Wie genau sollen die Angaben zum Fundort sein?
  • Wer erstellt die digitalen Fotografien?
  • Kleine Hürden
  • Konvolute oder Einzelobjekte?
  • Arbeitsablauf des Projekts
  • Arbeitsaufwand und –geschwindigkeit
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Ausblick

Zitat:

Guido Nockemann (2012): Die Digitalisierung der Archäologischen Sammlung am Lippischen Landesmuseum Detmold, in: Archäologisches Nachrichtenblatt 3/2012, Bd. 17, 280-289

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