Auralisation – Akustische Rekonstruktion

Akustische Rekonstruktion des Forum Romanum

Wissenschaftler der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) und der Technischen Universität Berlin (TU) haben in einem interdisziplinäres Projekt am Exzellenzcluster „Bild Wissen Gestaltung“ virtuelle Modelle zur politischen Kommunikation im Alten Rom erstellt. Unter anderem wurde dabei eine Auralisation, also eine akustische Rekonstruktion, der akustischen Verhältnisse des Forum  in Rom erstellt.

Volksversammlung Forum Romanum - Virtuelle Rekonstruktion einer Volksversammlung auf dem antiken Forum Romanum in Rom. © digitales forum romanum, 3D-Visualisierung: J. Bartz, D. Mariakschk, A.Müller, S. Muth

Volksversammlung Forum Romanum – Virtuelle Rekonstruktion einer Volksversammlung auf dem antiken Forum Romanum in Rom. © digitales forum romanum, 3D-Visualisierung: J. Bartz, D. Mariakschk, A.Müller, S. Muth

Ziel war es, zu rekonstruieren wie die Reden, und damit auch die politische Dimension der Reden, von den Zuhörern aufgenommen werden konnten. Durch die virtuelle Rekonstruktionen der Akustik als auch der Sichtbarkeit der Redner konnten neue Einblicke in den Alltag der Römer und der damaligen Art der politischen Kommunikation gewonnen werden und auch in ihre Schwachstellen.

Auralisation Forum - Auralisation einer Ansprache auf dem antiken Forum Romanum. © Ch. Böhm, St. Weinzierl, TU Berlin

Auralisation Forum – Auralisation einer Ansprache auf dem antiken Forum Romanum. © Ch. Böhm, St. Weinzierl, TU Berlin

 Hier zwei Beispiele, wie sich dies anhören würde:

Raumakustische Simulation einer Ansprache auf dem Forum, aus 20 m Distanz

Weitere Anwendungen

Diese spannende Rekonstruktion ist nur ein Teil dessen, wie akustische Rekonstruktionen bzw. Auralisationen in der Archäologie eingesetzt werden können um neue Erkenntnisse zu erlangen:

Das Feld der möglichen Untersuchungen ist weit und äußerst spannend. Durch derartige Untersuchen gewinnen wir einen direkten Einblick in die vergangenen Alltagsrealität und Geschichte wird ein Stück lebendiger.

 

Links:

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IT-Empfehlungen für Altertumswissenschaften – Nachtrag zu Forschungsdaten und Archivierung

Ein kurzer Nachtrag zu meinem letzen Blogbeitrag „Forschungsdaten und Archivierung„.

(Quelle: Screenshot http://www.ianus-fdz.de/)

(Quelle: Screenshot ttp://www.ianus-fdz.de/)

IANUS, das Forschungsdatenzentrum Archäologie & Altertums- wissenschaften, hat seine IT-Empfehlungen für Altertumswissenschaften aktualisiert. Hier bekommt man recht übersichtlich umfangreiche Informationen zum Umgang mit Forschungsdaten. Auch werden einzelne Dateiformate besprochen. Die Empfehlungen gibt es auch als Download.

IANUS ist ein von der DFG gefördertes Projekt zum Aufbau eines nationalen Forschungsdatenzentrums für die Archäologien und Altertumswissenschaften in Deutschland.

Links:

IANUS -Forschungsdatenzentrum Archäologie & Altertumswissenschaften

IANUS – IT-Empfehlungen für Altertumswissenschaften

IANUS – IT-Empfehlungen für Altertumswissenschaften als Download

Forschungsdaten und Archivierung

Forschungsdaten

Forschungsdaten, wir Wissenschaftler produzieren sie ständig, aber leider kümmern wir uns oft nicht ausreichend um sie. Hier nun ein aktuelle Beispiel dafür, dass man sich um die Archivierung seiner elektronischen Forschungsdaten Gedanken machen sollte….nein muss!

Vor gut zehn Jahren wurde an der  Universität Basel der Aufbau einer Datenbank abgeschlossen, in der 160 000 Datensätze zu einer bestimmten Vase auf der die Entführung von Europa durch Zeus dargestellt ist gespeichert wurden. Das unter anderem vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Millionen-Projekt lief ganze 20 Jahre und trug Daten zur griechische Mythologie zusammen. Der Server auf dem die Daten liegen und online abgerufen werden können steht im Rechenzentrum der Universität Basel.

Und da setzen auch schon die Probleme an. Die Firma, die den Server pflegte, existiert nicht mehr und das Passwort zum Server ist verloren gegangen.  So musste man sich in das alte System einhacken und mit viel Arbeit und Mühe die Daten vom alten Windows-NT-System retten und auf ein neues System transferieren. Allerdings kommt man immer noch nur über den alten Server in die Datenbank! Hier ist noch viel Arbeit nötig.

Glücklicherweise fordert der Schweizerische Nationalfond bei neuen Projekten direkt ein Konzept ein, wie die durch das jeweilige Projekt produzierten Daten auch langfristig archiviert werden können. Im vorliegenden Fall scheint es ja noch ein gutes Ende zu nehmen, aber wer weiß schon wie viele Forschungsdaten in den unzähligen Projekten mittlerweile verloren gegangen sind.

Zum Glück wird dieses Problem den Wissenschaftlern langsam bewusst und es gibt Initiativen und Leitlinen zu diesem Thema. Beispiele dazu unter den Links.

Links:

Millionenprojekt der Universität Basel ruht auf Schrott-PC

DFG-Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten

Grundsätze zum Umgang mit Forschungsdaten

Langzeitarchivierung von Forschungsdaten – Eine Bestandsaufnahme

Forschungsdaten

forschungsdaten.org

Nofretete, Wärmebildkameras und Bodenradarmessungen

Die Meldung, dass man zwei weitere bisher unbekannte Kammern im Grab des Tutanchamun vermutet hatte einiges Aufsehen erregt.

Kurz zu den Zusammenhängen: Der britische Ägyptologe Nicholas Reeves (University of Arizona und Direktor des Amarna Royal Tombs Projects) ist der Meinung, dass sich noch weitere Kammern in diesem Grab befinden. Bei der Untersuchung von hochauflösenden Fotos der Grabkammer seien ihm feine Linien aufgefallen. An diesen Stellen wurden sich nach dem allgemeinen Muster der Gräber in Tal der Könige auch weitere Kammern befinden, allerdings für die Gräber der Frauen. Geht man davon aus, dass die Grabanlage ursprünglich gar nicht für einen Mann, sondern für eine Frau, möglicherweise Nofretete, angelegt wurde, so würden die Linien die Umrisse von Durchgängen, einer an der Nordwand, ein weiterer an der Westwand, abzeichnen. Reeves führt eine Reihe von Argumenten an, so auch eben den besagten Grundriss der Anlage, der sich nach rechts orientiert, was für Königinnen-Gräber typisch sein, im Gegensatz zu den Gräbern der Könige, die sich nach links orientieren. Er vermutet, dass die Grabanlage eigentlich Nofretete, Tutanchamuns Stiefmutter, gehört und Tutanchamun nachträglich in ihr bestattet wurde, weil er viel zu früh gestorben sei und für ihn deshalb noch keine eigene Grabstätte vorhanden war. Reeves beschäftigte sich eineinhalb Jahre lang mit dieser These und  veröffentlichte sie unter dem Titel „The Burial of Nefertiti?“ auf der Wissenschaftsplattform Academia.
Reeves konnte die ägyptische Antikenbehörde von seiner Theorie überzeugen und im November diesen Jahres wurde Untersuchungen in der Grabkammer unternommen.

Grafik Grab von Tutenchamun

Die bisher bekannte Grabkammer Tutanchamuns Grab (weiß) sowie die vermuteten zusätzlichen Kammern (gelb). Raum x soll ein Nebenraum sein, während bei y Nofretetes Grabkammer vermutet wird (Quelle: Nicholas Reeves – The Burrial of Neferiti)

Zunächst wurde Infrarotmessungen vorgenommen, die von einem internationalem Team des ägyptischen Antikenmuseums, der Universität Kairo und des französischen Heritage, Innovation and Preservation Institute (HIP) durchgeführt wurden. Dabei wurde 24 Stunden lang die Infrarotstrahlung der Wände gemessen und damit die Temperaturunterschiede aufgezeichnet. Die Idee dahinter ist recht einfach, eine Hohlraum weisst eine andere (Luft-)Temperatur auf wie der gewachsene Fels oder ein massives Mauerwerk. Anhand der Ergebnisse konnten Temperaturschwakungen an der Nordwand erkannt werden, was auf eine Kammer oder Durchgang hinweisen könnte.

Später wurden von Hirokatsu Watanabe, einem japanischen Spezialisten für Bodenradarmessungen, noch weitere Messungen durchgeführt. Watanabe hatte bereits früher schon im Amarna Royal Tombs Project mitgewirkt.

Der "Bruch" in den Messdaten der Wand ist im Messdiagramm zu erkennen (Quelle: You Tube Kanal von NG - Video "King Tut Tomb Scans Support Theory of Hidden Chamber")

Der „Bruch“ in den Messdaten der Wand ist im Messdiagramm zu erkennen (Quelle: Screenshot aus Video „King Tut Tomb Scans Support Theory of Hidden Chamber“ @ You Tube Kanal von NG)

Bei seinen Untersuchungen wurde festgestellt, dass sich an den Stellen der vermuteten Kammern/Durchgänge das Material der Wände offenbar abrupt verändert (s. Bild oben). So stellt sich dieser Übergang an der Nordwand als vertikale Linie dar. Die Daten der Messung zeigen einen Hohlraum hinter der Wand an, wohl möglich setzt sich die bekannte Vorkammer wie eine Art Korridor fort.

Man sei sich zwar schon zu 90% sicher, dass es sich hier um weitere Kammern handelt so Ägyptens Minister für Altertümer, Mamdouh el-Damaty, zur „Süddeutschen Zeitung“, aber man will die genauere Untersuchung der Daten der Radarmessung noch abwarten. Dies würde mindestens 4 Wochen in Anspruch nehmen wird. Erst dann wird entschieden wie das weitere Vorgehen aussehen soll. Eine Option ist es an einer Wand ohne Bemalung ein Loch bis zur vermuteten Kammer zu bohren und eine Kamera dort einzuführen.

Wir dürfen gespannt sein. Dieses Projekt ist ein guter Aufhänger um die hier verwendeten Methoden einmal genauer zu betrachten, aber dazu mehr in einem weiteren Blogbeitrag.

Die didaktischen Gefahren von 3D-Modellen am Beispiel einer animierten Rekonstruktion des Londons des 17. Jahrhunderts

Vor ein paar Tagen wurde das von einer Studentengruppe erstellte Video von Londons zur Zeit des 17. Jahrhunderts vorgestellt. Die sechs Studenten haben mit ihrer bemerkenswerten Arbeit den ersten Preis des Off the Map – Wettbewerbs gewonnen, der von der British Library und den Videospiel-Entwickler von GameCity and Crytek ausgeschrieben wurde.

Das Video zeigt einen Durch- und Überflug des Gebiets um die Pudding Lane und der Bäckerei von Thomas Farriner, wo der Große Brand von London 1666 ihren Ursprung hatte. Hier das Video:

Ich möchte hier nicht die wunderbare Arbeit der Studenten zerreden, das Virtuelle Modell ist wirklich sehr gelungen und die Arbeit dahinter sicher enorm. Das Video dient nur als Aufhänger für das Problem, dass ich bei solchen Modellen sehe.

Grundlage des Modells ist ein historischer Straßenplan, denn die British Library zur Verfügung gestellt hat. Damit hat es sich allerdings auch schon mit den historischen Grundlagen. So schön die Animation auch ist, die Aussage, dass es sich um ein Modell des Londons des 17. Jahrhunderts handelt, ist etwas irreführend. Die Gebäude sind rein hypothetisch, sprich alles was sich vom Planum der Straße aus nach oben aufbaut ist Fiktion. Es wurden zwar für die Inspiration zur Optik der Häuser auf historische Vorlagen zurückgegriffen, aber der Aufbau der Häuser ist rein hypothetisch. Aussagen der Entwickler wie „The environment we produce needs to look historically accurate,…“ sollten wirklich wortwörtlich genommen werden. Es soll historisch genau aussehen, historischer Authentizität ist nicht das Ziel des Projekts gewesen. Aber genau diesen Eindruck macht das Video bzw. Modell, da es keine Erläuterung dazu gibt.

Die Machern des Videos beschreiben, wie sie das Modell erstellt haben, wünschenswert wäre allerdings ein klares und auch auf den ersten Blick sichtbarer Hinweis, dass es sich hier um ein Modell handelt, dessen Aufbau fiktiv ist und mehr ein Stimmungsbild darstellt und keine historisch belegte und überprüfbare Rekonstruktion.

Selbst eine gut recherchierte Rekonstruktion kann immer nur eine Variante der möglichen Rekonstruktionen darstellen, wenn es bei einem wissenschaftlich fundierten Modell auch eine sehr gut begründete Variante sein kann. Mir als Wissenschaftler ist es, aufgrund meiner Ausbildung und der für die Wissenschaft üblichen kritischen Herangehensweise, sofort klar, dass jedes Modell und jede Rekonstruktion immer nur eine Erklärungsmöglichkeit ist, aber dem Laien ist das oft so nicht bewusst (woher auch). Der interessierte Laie nimmt (unsere) wissenschaftlichen Rekonstruktionen als „Wahrheit“ an. „Der Wissenschaftler hat das so gemacht, dann muss es richtig sein, denn der weiß schließlich was er da macht“. Solche Antworten habe ich selber schon auf Nachfragen bekommen. Und genau dieses Problem muss bei jeder Rekonstruktion kommuniziert werden. Denn solange wir keine Zeitreisen machen können, kann sich auch ein Wissenschaftler nie sicher sein ;-).

Links:

http://www.openculture.com/2013/11/fly-through-17th-century-london.html

http://puddinglanedmuga.blogspot.co.uk/

http://londonist.com/2013/10/fly-through-17th-century-london

Three-Dimensional Modeling in Mediterranean Archaeology: An Open Invitation

Bill Caraher, ein vom Historiker zum Archäologen „mutierter“ Professor an der University of North Dakota at Grand Forks, dokumentiert in seinem Blog „The Archaeology of the Mediterranean World“ seine Gedanken und Ideen zur Archäologie im mediterranen Raum. In einigen Beiträgen widmet er sich der Anwendung vom 3D-Techniken in der Archäologie. In dem hier rebloggte Artikel ruft er andere Wissenschaftler auf zu diesem Thema Artikel bei ein einzureichen, die er dann elektronisch publizieren möchte. Als Aufhänger stellt er vier Fragen, auf deren Beantwortung ich schon gespannt bin.

The Archaeology of the Mediterranean World

The positive response to my call for blog posts on issues centered on 3D modeling in Mediterranean archaeology has continued. For recent posts on this topic see here, here, and here.

My motivation for doing this came from this a number of sources. The most proximate inspiration came from a recent, fine article: Brandon Olson, Ryan A. Placchetti, Jamie Quartermaine, and Ann E. Killebrew, “The Tel Akko Total Archaeology Project (Akko, Israel): Assessing the suitability of multi scale 3D field recording in archaeology,” Journal of Field Archaeology 38 (2013), 244-262 (check out my brief summary and discussion here)‘ I’ve also been amazed and inspired by some of Sebastian Heath’s recent work with the Kenchreai Excavations; Adam Rabinowitz’s interest in new ways to document both ongoing excavations and archives (e.g. here); Eric Poehler’s work at the Pompeii Quadraporticus Project; my wife’s encounters with 3D…

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ReBlog: DARIAH: Auf dem Weg zu einer digitalen Dateninfrastruktur für die Archäologie

ReBlog des Artikels

„DARIAH: Auf dem Weg zu einer digitalen Dateninfrastruktur für die Archäologie“

vom Kollegen Armin Volkmann, geblogt am 11/01/2013.

In seinem Artikel berichtet Armin Volkmann über das Langzeitprojekt DARIAH (Digital Research Infrastructure for the Arts and Humanities). Es beschäftigt sich hauptsächlich mit der text- und geschichtswissenschaftlichen Forschung, ist aber offen für weitere Fachrichtungen. Für das Projekt wurde auch eine Dateninfrastruktur für die Archäologie konzipiert. Kooperationspartner sind unter anderem das IANUS-Projekt des DAI (Deutsches Archäologisches Institut) und CLARIN (Common Language Resources and Technology Infrastructure). Durch die Vernetzung der einzelnen Daten-Infrastruktur-Projekte können nationale Aktivitäten auch auf Europa-Ebene harmonisiert und die Forschung behindernde administrative Grenzen überwunden werden.

Neue Ausgabe der „DAI weltweit“ online

Das Deutsche Archäologische Institut hat die zweite Ausgabe des Magazins „DAI weltweit“ online veröffentlicht.

In der neuen Ausgabe wird die Anwendung neuer Methoden, die Rettung kostbarer Bildbestände und die Fortschritte beim Aufbau einer digitalen Infrastruktur des DAI für die langfristige Verfügbarkeit, Lesbarkeit und Vernetzung digitaler Daten vorgestellt.

Die Themen sind:

  • Hightech History – Naturwissenschaften und digitale Technologien in der Archäologie
  • Luftbild – Das EU-Projekt ArchaeoLandscapes Europe
  • Kulturlandschaft Amazonien – Die Entdeckung vorspanischer Ringgrabenanlagen im LiDAR-Scan
  • Rom, imperial – Der Palatin als Herrschaftsarchitektur in 3D
  • Interview mit Ortwin Dally – Dokumentation, Digitalisierung und Datenbank
  • Übersetzungsleistung – Die Digitalisierung der Archive
  • IANUS – Das Forschungsdatenzentrum des DAI
  • Resafa – DAI-Kooperationspartner TU Berlin, Historische Bauforschung
  • Das Naturwissenschaftliche Referat des DAI
  • Mythos Olympia – Kult und Spiele

Besonders interessant ist der Artikel zu EU-Projekt ArchaeoLandscapes Europe und dem IANUS Projekt. Bei letzterem handelt es sich um den Aufbau nationales Zentrums für , unterschiedliche Dienstleistungen im Bereich digitaler Forschungsdaten und Langzeitarchivierung.

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