Digitalisierung von Inventarbüchern…und wie man es nicht machen sollte.

Zunächst einmal….grundsätzlich begrüße ich Initiativen wie die des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz. Sie gehen in die richtige Richtung, die Digitalisierung und Veröffentlichung von musealen Inventarbüchern ist absolut sinnvoll. Die Digitalisate der Inventarbücher des RGZM sind qualitativ wirklich hochwertig. Leider gibt es einige Punkte die meiner Ansicht nach verdeutlichen, dass man hier noch viel verbessern kann/soll/muss:

Wasserzeichen

Die Wasserzeichen (es gibt wirklich Institutionen die das noch machen ???) sind ein echtes no go. Sie sind nervig und störend. Ein Screenshot einer Inventarseite ist kommerziell eigentlich nicht verwertbar und druckbar schon gar nicht, da einfach eine entsprechende Auflösung fehlt. Mit Postkarten von Bildern der Seiten aus Inventarbüchern kann man sicher keine große Kasse machen. Also wozu das ganze? Und wieso gibt es keinen stufenlosen Zoom?

Suchfunktion

Die „Suchfunktion“. Nun ja, man kann nach Inventarnummern suchen….schön. Aber wenn man die Inventare nicht kennt ist das nicht wirklich zielführend. Also gibt man einfach mal eine Nummer an und kann die Seiten des entsprechenden Inventarbuches durchblättern. Hier zeigt das RGZM selber die Grenzen des Ganzen auf: „Um einen Eindruck von den Beständen des Museums zu erhalten, können Sie die Inventarbücher digital „durchblättern“ oder auch gezielt nach bestimmten Bänden oder Seiten suchen, wozu entsprechende Funktionen und eine Suchmaske zur Verfügung stehen.“ Mehr kann man so wohl auch nicht erwarten, leider.

Beispielseite aus dem Inventarbüchern des RGZM ...oder auch nicht? Vielleicht ist dieses Bild auch von mir selber erzeugt. Aufgrund von Lizenzfragen und Rechtsunsicherheit stelle ich keinen Screenshot der digitalisierten Inventarbücher ein.

Beispielseite aus dem Inventarbüchern des RGZM …oder auch nicht? Vielleicht ist dieses Bild auch von mir selber erzeugt. Aufgrund von Lizenzfragen und Rechtsunsicherheit stelle ich keinen Screenshot der digitalisierten Inventarbücher ein.

Lizenz?

Die Lizenz, unter der die Daten veröffentlicht wurden. Ja wo steht die eigentlich? Nirgendswo ein Hinweis, nur das Wasserzeichen suggeriert, dass hier jemand Angst um seine Rechte hat. Wann verstehen die „Betreiber“ der Museen endlich, dass dieses Wissen „allen“ gehört und auch frei zugänglich sein sollte (nach Pressemitteilung hat man es beim RGZM…oder doch nicht?). Was hätte man auch gewonnen, wenn man diese Wissen „beschützt“ bzw. den Zugang reglementiert? Und genau die hier aufgeführte „Lizenz“ (das @RGZM Wasserzeichen) ist nicht eindeutig und vermutlich so auch gar nicht rechtlich richtig, denn dieses „Copyright“ gibt es hierzulande so nicht. Dafür aber ein Urheberrecht, das automatisch entsteht und auf das gar nicht hingewiesen werden muss.

Urheberrecht auf Scans von Inventarbüchern?

Apropos Urheberrecht: Der hier dargestellte Inhalt, also das „geistige Werk“, sofern man bei einem Verwaltungsvorgang wie der Inventarisation von Museumsobjekten von einem solchen sprechen will, ist schon über 70 Jahre alt und damit rechtlich frei. Und ich bezweifel, dass das Scannen der Buchseiten ein „geistiger Akt“ war oder eine „Schöpfungshöhe“ erreicht hat, die schützenswert ist. Was hier aber noch passiert ist, dass ein nicht kommerzieller Blog wie dieser hier schon zur Illustration seines Beitrages keine Screenshot mit einem Beispiel aus dem Inventarbuch publizieren kann ohne mögliche rechtliche/finanzielle Konsequenzen fürchten zu müssen. Ich persönlich finde das für die Berichterstattung äußerst hinderlich. Natürlich könnte ich beim RGZM nach Pressematerial anfragen, ob ich entsprechende Fotos bekäme, aber das ist nicht das eigentliche Problem.

Open Access und dann Wasserzeichen mit Copyright?

Was allerdings verwirrend ist, das in der Pressemitteilung zu den online gestellten Inventarbüchern die Direktorin für Sammlungen Dr. Alexandra Busch, sich darüber im Klaren ist, das „die Archäologie und die Bedeutung unseres kulturellen Erbes allen Menschen, egal welchen Alters und welcher Herkunft zugänglich zu machen“ ist. Hierzu sollen auch die Publikationen des RGZM über Open Access zugänglich sein. Schön, aber was soll dann das Wasserzeichen auf den Digitalisaten der Inventarbücher? Irgendwie hat man da was nicht so ganz verstanden, Wasserzeichen stehen dem Open Access nach Definition entgegen.

Digitalisierung ist wichtig!

Noch einmal, grundsätzlich ist die Digitalisierung der Inventarbücher absolut begrüßenswert! Und sicherlich ist so etwas mit Arbeit und Aufwand verbunden. Nur leider ist das Ziel in diesem Fall nur halb umgesetzt. Nur die Scans von Seiten sind ein Anfang aber nicht genug. Rechtliche Sicherheit bei der Verwendung der Digitalisate, eine eindeutig Indizierung des Inhaltes, umfassende Suchfunktionen, mehr Datenbankstrukturen etc. sind von Nöten um die Digitalisate auch vernünftig recherchier und auswertbar zu machen.

Wissenschaftlich nutzbar?

Für mich als Wissenschaftler sind die digitalisierten Inventarbücher des RGZM so eigentlich nicht nutzbar. Wenn ich nach bestimmten Objekten suchen möchte, muss ich entweder alle Bücher durchsehen (was bei dem Umfang absolut nicht praktikabel ist) oder aber jemanden im RGZM anrufen und bitten, dass er mir die Inventarnummern der für mich wissenschaftlich interessanten Objekte gibt, mit denen ich dann in den Bücher suchen kann. Ganz abgesehen von der rechtlichen Situation bei den Abbildungen der Seiten und den dadurch nicht eindeutig definierten und rechtlich sicheren Möglichkeiten der wissenschaftlichen Nutzung dieser Abbildungen. Die in der Pressemitteilung angekündigte Transparenz steckt hier wohl noch in den Anfängen. Mir ist bewusst, das dieser Beitrag provokant ist und sicher für das RGZM in Mainz nicht bequem ist. Aber durch den Hinweis auf Probleme und nicht ausgeschöpfte Potentiale kann man vielleicht die Dinge verbessern.

Links:

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Die didaktischen Gefahren von 3D-Modellen am Beispiel einer animierten Rekonstruktion des Londons des 17. Jahrhunderts

Vor ein paar Tagen wurde das von einer Studentengruppe erstellte Video von Londons zur Zeit des 17. Jahrhunderts vorgestellt. Die sechs Studenten haben mit ihrer bemerkenswerten Arbeit den ersten Preis des Off the Map – Wettbewerbs gewonnen, der von der British Library und den Videospiel-Entwickler von GameCity and Crytek ausgeschrieben wurde.

Das Video zeigt einen Durch- und Überflug des Gebiets um die Pudding Lane und der Bäckerei von Thomas Farriner, wo der Große Brand von London 1666 ihren Ursprung hatte. Hier das Video:

Ich möchte hier nicht die wunderbare Arbeit der Studenten zerreden, das Virtuelle Modell ist wirklich sehr gelungen und die Arbeit dahinter sicher enorm. Das Video dient nur als Aufhänger für das Problem, dass ich bei solchen Modellen sehe.

Grundlage des Modells ist ein historischer Straßenplan, denn die British Library zur Verfügung gestellt hat. Damit hat es sich allerdings auch schon mit den historischen Grundlagen. So schön die Animation auch ist, die Aussage, dass es sich um ein Modell des Londons des 17. Jahrhunderts handelt, ist etwas irreführend. Die Gebäude sind rein hypothetisch, sprich alles was sich vom Planum der Straße aus nach oben aufbaut ist Fiktion. Es wurden zwar für die Inspiration zur Optik der Häuser auf historische Vorlagen zurückgegriffen, aber der Aufbau der Häuser ist rein hypothetisch. Aussagen der Entwickler wie „The environment we produce needs to look historically accurate,…“ sollten wirklich wortwörtlich genommen werden. Es soll historisch genau aussehen, historischer Authentizität ist nicht das Ziel des Projekts gewesen. Aber genau diesen Eindruck macht das Video bzw. Modell, da es keine Erläuterung dazu gibt.

Die Machern des Videos beschreiben, wie sie das Modell erstellt haben, wünschenswert wäre allerdings ein klares und auch auf den ersten Blick sichtbarer Hinweis, dass es sich hier um ein Modell handelt, dessen Aufbau fiktiv ist und mehr ein Stimmungsbild darstellt und keine historisch belegte und überprüfbare Rekonstruktion.

Selbst eine gut recherchierte Rekonstruktion kann immer nur eine Variante der möglichen Rekonstruktionen darstellen, wenn es bei einem wissenschaftlich fundierten Modell auch eine sehr gut begründete Variante sein kann. Mir als Wissenschaftler ist es, aufgrund meiner Ausbildung und der für die Wissenschaft üblichen kritischen Herangehensweise, sofort klar, dass jedes Modell und jede Rekonstruktion immer nur eine Erklärungsmöglichkeit ist, aber dem Laien ist das oft so nicht bewusst (woher auch). Der interessierte Laie nimmt (unsere) wissenschaftlichen Rekonstruktionen als „Wahrheit“ an. „Der Wissenschaftler hat das so gemacht, dann muss es richtig sein, denn der weiß schließlich was er da macht“. Solche Antworten habe ich selber schon auf Nachfragen bekommen. Und genau dieses Problem muss bei jeder Rekonstruktion kommuniziert werden. Denn solange wir keine Zeitreisen machen können, kann sich auch ein Wissenschaftler nie sicher sein ;-).

Links:

http://www.openculture.com/2013/11/fly-through-17th-century-london.html

http://puddinglanedmuga.blogspot.co.uk/

http://londonist.com/2013/10/fly-through-17th-century-london

Kombination aus 3D-CT-Scan und 3D-Print in der Anwendung bei der Forschung an Mumien

Eine 500 Jahre alte peruanische Kinder-Mumie, die z.Zt. noch in der Ausstellung “Mummies of the World: The Exhibition” im Cincinnati Museum Center zu sehen ist, wurde im Cincinnati Children’s Hospital Medical Center untersucht. Um Geschlecht, Alter und Todesursache des Kindes zu klären wurden Röntgenaufnahmen sowie ein 3D-CT-Scan erstellt und über 12000 Einzelaufnahmen untersucht. Allerdings konnte hierbei die Todesursache nicht geklärt werden.

3D-Print der Mumie (Quelle: Screenshot von You Tube Video - https://www.youtube.com/watch?v=h17NB8X4-0w)

3D-Print der Mumie (Quelle: Screenshot von You Tube Video – https://www.youtube.com/watch?v=h17NB8X4-0w)

Bei den Überlegungen, wie man nun zerstörungsfrei die Mumie weiter untersuchen könnte, hat man sich für einen 3D-Print entschieden. Anhand dieses maßstabsgerechten und detailgetreuen Skelettmodells konnten nun weitere Untersuchungen vorgenommen werden. Dabei konnten einige Todesursachen wie Tuberkulose, Krebs, als auch Traumata ausgeschlossen werden. Der wirkliche Grund für das Ableben des Kindes ist allerdings noch nicht geklärt.

In einem You Tube-Video des Krankenhauses wird das Vorgehen der Wissenschaftler gezeigt.

CT-Scan der Mumie (Quelle: Screenshot von You Tube Video - https://www.youtube.com/watch?v=h17NB8X4-0w)

CT-Scan der Mumie (Quelle: Screenshot von You Tube Video – https://www.youtube.com/watch?v=h17NB8X4-0w)

CT-Scan der Mumie (Quelle: Screenshot von You Tube Video - https://www.youtube.com/watch?v=h17NB8X4-0w)

CT-Scan der Mumie (Quelle: Screenshot von You Tube Video – https://www.youtube.com/watch?v=h17NB8X4-0w)

Links:

Pressemitteilung des Krankenhauses zur Untersuchung der Mumie.

Pressemitteilung des Cincinnati Museum Center zur Utnersuchung der Mumie.

„Archäologie – Eine Reise durch die Menschheitsgeschichte“ – Ein Online-Seminar der Zeit-Akademie

Die Zeit-Akademie bietet seit ihrer Gründung 2011 Seminare zu verschiedenen geisteswissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Themen an. Das Angebot umfasst Online-Seminare, DVDs und Audio-CDs. Zielgruppe sind wissbegierige Menschen mit Freude am Lernen, denen aber die Möglichkeiten oder die Zeit fehlt sich mit den für sie interessanten Themen intensiver auseinanderzusetzen. Diese Lücke will die Zeit-Akademie füllen, indem sie Seminare auf Universitätsniveau anbietet, die  zeitlich flexibel  und  von zu Hause, bzw. überall dort wo man einen Internet-Zugang hat, wahrgenommen werden können. Die Seminare erfordern keine Vorkenntnisse und werden besonders verständlich erläutert. Fragen können online an die jeweiligen Experten gerichtet werden. Das Konzept ist recht einfach und unkompliziert. Die Inhalte des jeweiligen Faches werden in ca. 30-minütige Lerneinheiten von einem renommierten Professoren bzw. Experten vorgetragen. Am Ende einer jeden Lerneinheit stellt sich der Fachmann in einem Interview den Fragen eines Redakteurs der Zeit und diskutiert bestimmte Einzelheiten.

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Das Seminar „Archäologie – Eine Reise durch die Menschheitsgeschichte“ gliedern sich in 12 Lektionen, die in vier Blöcke gegliedert sind. Nach der ersten einführenden Lektion geht es chronologisch durch die Entwicklungsgeschichte des Menschen, beginnend mit den ersten Menschenformen vor 2,5 Millionen Jahren bis in die Neuzeit. Für jede Lektion wurde ein übergreifendes Thema ausgewählt, welches für die behandelte Epoche eine fundamentale Bedeutung hat. Jede Lektion ist in sich abgeschlossen, aus rein didaktischer Sicht empfiehlt es sich aber die Lektionen in der vorgegebenen Reihenfolge durchzunehmen. Das zu behandelnde Thema wird mit Beispielen und Grafiken unterfüttert. Die gezeigten  Animationen und Karten sind übersichtlich, nicht überladenen und kommen ohne hektische Effekte aus. Zusätzlich zum Seminar steht ein 95 seitiges  Begleitbuch  zum Download zur Verfügung. Es bietet zu jeder Lektion einen Begleittext, Literaturhinweisen und sogenannte „key learnings“. Diese fassen die Kernaussagen der Lektion knapp zusammen und eignen sich hervorragend um die  soeben  durchgenommene  Lektion  noch  einmal zu rekapitulieren. Das Layout und die Fotografien des  Begleitbuches  sind optisch sehr ansprechen.

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Mit  Prof. Hermann Parzinger (Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Freie Universität Berlin) hat man einen  der wohl am  häufigsten  ausgezeichneten Archäologen des Landes gewonnen.  Parzinger ist aufgrund seiner vielen Positionen und Ämter auch einer der bekanntesten Archäologen Deutschlands.  Dies könnte man allerdings auch kritisch sehen, denn vielleicht wäre ein Fachkollege, der noch mehr an der Basis der Archäologie ist und dort intensiv  arbeitet  und forscht, eine bessere Wahl gewesen.  Rein optisch  machen  die Videos einen sehr professionellen und auch ansprechenden Eindruck. Die Art und Weise, wie  Hermann Parzinger die Themen vorträgt ist sehr angenehm und hat nichts lehrerhaftes. Zur Verständlichkeit trägt der Verzicht auf gar zu viele Fachbegriffe bei.  Die Moderation des Interviews am Ende einer jeden Folge übernimmt Urs Willmann, Wissenschaftsredakteur der Zeit.  Jedes Interview hat eine bestimmte Fragestellung, die Atmosphäre ist locker und unverkrampft, die Teilnehmer wirken dabei sehr persönlich und menschlich. Hier werden werden bestimmte Themen der Lektion  noch einmal  näher beleuchtet und man bekommt auch einen Eindruck, wie in der Archäologie diskutiert und disputiert wird.

Interview

Mir persönlich hat die erste Lektion besonders gut gefallen, da hier mit den üblichen Klischees und  Irrtümern, wie z.B. dass Archäologie  mehr  ist als Ägypten und Pyramiden, Dinosaurier nicht von Archäologen ausgegraben werden und Indiana Jones nun  mal  reine Fiktion ist, aufgeräumt und dargelegt wird, was archäologisches Arbeiten  wirklich  ist. Klar wird hier auch, dass es „die Archäologie“ an sich nicht gibt, sondern dass sie ein Konglomerat aus vielen verschiedenen Fachbereichen und Disziplinen ist. Neben all den faszinierenden Dingen, die durch die Archäologie an Licht gebracht werden, fehlt es auch nicht an Selbstkritik, denn Wissenschaftler bzw. Archäologen machen Fehler. Und nicht zuletzt wird noch auf die politische Dimension der Archäologie hingewiesen, wie auch der politische Missbrauch des Faches. Die Inhalte der einzelnen Lektionen sind gut recherchiert, didaktisch durchdacht aufgebaut und  wissenschaftlich  fundiert.  Insgesamt betrachtet ist das Online-Seminar „Archäologie – Eine Reise durch die Menschheitsgeschichte“ sehr zu empfehlen und nicht nur für  interessierte  Laien, sondern auch für Kollegen des Fachs interessant um bestimmte Themen  noch einmal  aufzufrischen.

Link: http://www.zeitakademie.de/archaeologie/

(Abbildungen mit freundlicher Genehmigung des Zeit-Verlages)

Portable XRF-Scanner – ein bisschen Star-Trek-Flair in der Archäologie

Auf den ersten Blick mutet es schon etwas sehr wie Science-Fiction an. Ein Archäologie hockt im Grabungsschnitt und zielt mit einem Gerät, dass aussieht wie die Space-Invader-Pistole seines Sohnes, auf ein Artefakt. Er drückt einen Knopf und „BING“, bekommt ein Ergebnis angezeigt.

Portabler XRF-Scanner im Einsatz  (Screenshot - Quelle: http://www.elleryfrahm.com/marie_curie_courses.html; 4.10.2013)

Portabler XRF-Scanner im Einsatz (Screenshot – Quelle: http://www.elleryfrahm.com/marie_curie_courses.html; 4.10.2013)

Portable XRF-Scanner werden immer beliebter in der Archäologie und auch im Museumsbereich. Ein Grund sich diese Geräte einmal näher anzuschauen. Was bedeutet eigentlich XRF? XRF steht für „X-ray fluorescence“, zu deutsch „Röntgenfluoreszenzanalyse“. Es handelt sich um eine zerstörungsfreie Methoden, mit der die qualitativen und quantitativen elementare Zusammensetzung einer Probe analysiert werden kann. Eine ganze Reihe an Materialen können untersucht werden, wie z.B. Metalle, Keramik, Feuerstein, Glas, Sedimente. Eine Einführung zur Anwendung der XRF-Analyse in der Archäologie gibt es hier.

Somit liegen die Vorteile eines portablen XRF-Scanners auf der Hand. Der portable Einsatz im Feld ermöglicht nun schon während der Grabung neue Erkenntnisse zu gewinnen, die möglicherweise z.B. den Verlauf oder den Schwerpunkt der Grabung beeinflussen können. Zerstörungsfreie Untersuchungsmethoden sind uns Archäologen immer willkommen, schließlich sind die Artefakte oft Unikate. Andere Vorteile sind die einfache Anwendung (kein Spezialist nötig, nur kurze Einarbeitungszeit) und die geringen Kosten im Vergleich zu anderen Geräten, Laboranalysen etc. Natürlich hat diese Methode auch Schwächen. Die Probe muss größer als 10 mm und dicker als 2 mm sein, anderenfalls sind die Ergebnisse weniger exakt. Bei der portablen Methoden können nur Elemente von Titan (Ti) bis Niob (Nb) analysiert werden (s. Periodensystem). Kleine Mengen von Elementen können nicht charakterisiert werden.

Anwendungsmöglichkeiten bieten sich zum Beispiel bei der Analyse von Keramik und der dazugehörigen geologischen (Ton-)Schichten, wo z.B. Anhand der Informationen zur Magerung die Herstellungsorte unterschieden werden können. Eine deutsche Studie zu Anwendbarkeit der p-XRF-Methode bestätigt die Einsatzmöglichkeiten am Beispiel der Herkunftsbestimmung von römischer Keramik.

Bei der Anwendung des p-XRF-Scanners im Bereich der Feuerstein-Analyse sehe ich noch großes Potential. Die Zusammensetzung von Feuerstein gleicht einem Fingerabdruck, anhand dessen man den Ursprungsort des Rohmaterials eines Artefakts bestimmen kann. Mit dem Handscanner können nun im Feld in sehr kurzer Zeit große Mengen an Informationen gesammelt werden. Die sehr zeitaufwendigen und auch in der Quantität beschränkten Auswertungen im Labor entfallen.

p-XRF-Scanner bei der Aufnahme der geologischen Zusammensetung eines archäologischen Befundes (Screenshot - Quelle: http://blogs.oregonstate.edu/coopersferryarchaeology/2010/07/26/coopers-ferry-in-the-news-and-a-new-feature/ ; 4.10.2013)

p-XRF-Scanner bei der Aufnahme der geologischen Zusammensetzung eines archäologischen Befundes (Screenshot – Quelle: http://blogs.oregonstate.edu/coopersferryarchaeology/2010/07/26/coopers-ferry-in-the-news-and-a-new-feature/ ; 4.10.2013)

Interessant ist auch eine Arbeit zur Anwendung der p-XRF-Methode bei Moorleichen, wo wertvolle Informationen zum konservierten Körper und seiner Umgebung gesammelt werden können, die auch für die Konservierung der Moorleiche wichtig sind.

Im Museumsbereich können p-XRF-Scanner z.B. für den Nachweis von Pestiziden oder anderen Chemikalien verendet werden. Gerade die Konservierungsmethoden zu Beginn des 20. Jahrhundert bereiten heute im wahrsten Sinne des Wortes Kopfschmerzen, wie ich selber schon mit DDT an organischen Objekten  erleben „durfte“. Damals wurden Chemikalien verwendet, die heute immer noch toxisch sind oder nach fast 100 Jahren instabil werden und ihre Giftstoffe freisetzen (Einsatz eines p-XRF-Scanners in diesem Zusammenhang z.B. hier).

Links zu Artikeln und weiteren Informationen:

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3D-Drucker helfen bei der zerstörungsfreien Untersuchung von Mumien

Seit einiger Zeit verfolge ich die Entwicklung und die Möglichkeiten des 3D-Drucks und mir Gedanken über ihre Anwendungsmöglichkeiten in der Archäologie gemacht.

Katzenmumie und 3D-Druck des Skeletts (Screenshot von http://www.youtube.com/watch?v=T-pOwKlikeQ#at=43)

Katzenmumie und 3D-Druck des Skeletts (Screenshot von http://www.youtube.com/watch?v=T-pOwKlikeQ#at=43)

Die hier gezeigte Anwendung stellt gerade zu ein Paradebeispiel für den Nutzen dieser noch recht neuen Technologie für die Wissenschaft dar. Brasilianische Forscher des Nationalmuseums in Rio de Janeiro haben anhand der CT-Scans einer Katzenmumie ein 3D-Modell erstellt und dieses dreidimensional ausgedruckt. Dadurch konnten man das Skelett der Katze untersuchen ohne die Mumie zu öffnen. So können z.B. auch pathologische Veränderungen der Knochen z.B.  Krankheit oder Verletzung erkannt werden und ein Stück der Lebensgeschichte der Mumie rekonstruiert werden.  Außerdem kann der 3D-Druck auch z.B. in einer Museumsausstellung direkt neben der Original-Mumie präsentiert werden

Die App des Neanderthal Museums in Mettmann

Smartphones sind allgegenwärtig und mittlerweile ein Teil unseres Alltags und unserer Kultur. Daher ist es umso erfreulicher, dass immer mehr Museen dieses Medium nutzen um mit seiner Hilfe Inhalte bzw. Wissen den Menschen und potentiellen Museumsbesuchern zu vermitteln. Nicht immer muss die Nutzung einer Museums-App nur auf den Gebrauch im Museum beschränkt sein. Seine Inhalte können auch ohne Museumsbesuch konsumiert werden und dienen so der Wissensvermittlung und Öffentlichkeitsarbeit. Ein vorbildliches Beispiel ist die App des Neanderthal Museums in Mettmann. Sie stellt eine hervorragende Ergänzung zum Museumsbesuch dar.

(Quelle: Neanderthal Museum; 7.8.2013)

(Quelle: Neanderthal Museum; 7.8.2013)

Es werden Informationen über das Museum und zu Veranstaltungen, ein Locationguide, Audioguides zu den Stationen im Museum und die direkte Verlinkung mit den Social Media Anwendungen (Newsletter, Facebook, E-Mail-Empfehlung) des Neanderthal Museums im Web angeboten. Neben einer kurzen Einführung zur Dauerausstellung wird auch über Sonder- und kommende Ausstellungen informiert.

(Quelle: Neanderthal Museum; 7.8.2013)

(Quelle: Neanderthal Museum; 7.8.2013)

Es stehen vier verschiedene Audioguides zur Verfügung, zur Dauerausstellung, zur Fundstelle, zum Kunstweg und ein spezieller Guide für Kinder. Die einzelnen Audioguides  führen durch die jeweiligen Stationen, die alle einzeln ausgewählt werden können. Besonders der eigens für Kinder erstellte Audioguide ist der richtige Weg, um auch jungen Museumsbesuchern Informationen zu vermitteln. Die Audioguides eignen sich auch als kurzweilige Unterhaltung oder neudeutsch „Infotainment“, z.B. bei Bahnfahrten. Leider stehen in der Android-App die Guides für Kinder sowie für den Kunstweg (noch) nicht zur Verfügung. Die App kann mit ihrer Fülle an Informationen sowohl direkt in der Ausstellung, als auch zur Vor- oder Nachbereitung des Museumsbesuchs genutzt werden.

(Quelle: Neanderthal Museum; 7.8.2013)

(Quelle: Neanderthal Museum; 7.8.2013)

Der Locationguide gibt Auskünfte zur Fundstelle, dem Kunstweg, Freizeitaktivitäten (Spielplatz, Minigolf, Wildgehege) und der Gastronomie in der unmittelbaren Umgebung des Museums. Außerdem werden Informationen zur Anreise, Parkplätzen, Barrierefreiheit, Gastronomie, Öffnungszeiten und Eintrittspreisen, Museumsführer oder Kindergeburtstagen, sowie ein FAQ (Frequently Asked Questions) angeboten. Die App wird kostenlos sowohl für Android als auch IOS angeboten.

 

Petition gegen die Einsparungspläne bei der Archäologie von NRW sorgt für Aufsehen

Die Petition der DGUF gegen die Streichung der Mittel für die Archäologie und Denkmalpflege in NRW sorgt für einiges Aufsehen.

Bisher haben über 14.500 Menschen die Petition gezeichnet, aber das reicht noch nicht!

Die Landesregierung in NRW muss ein deutliches Signal bekommen, ihre Pläne doch noch einmal zu überdenken. Denn sollten die Mittel bis 2015 wirklich auf Null oder einen so geringen Betrag der kaum Handlungsmöglichkeiten bietet zusammengestrichen werden, ist es aus mit der Archäologie und Denkmalpflege in NRW. Dann können unbekannte Denkmäler nicht mehr gefunden, geschützt, dokumentiert und erhalten werden, bekannte Denkmäler geschützt und gepflegt werden, die Museen werden nichts aktuelles mehr zu zeigen haben, die Forschung wird stagnieren, da keine neuen Erkenntnisse durch neue Funde und Fundplätze gemacht werden können.

Die Pläne der Landesregierung bedeutet die Vernichtung von Kultur und unser aller Geschichte. War der Bagger erst einmal da, ist es zu spät und unser Kulturgut unwiederbringlich verloren.

Dabei will NRW doch eine Kultur und Wissenschaftsstandort sein. Man könnte meinen, dass sich das nur auf Bereiche bezieht, die wirtschaftlich profitabel sind. Dabei sind die Einsparungen bei der Archäologie und Denkmalpflege im Verhältnis minimal, der Schaden aber maximal.

Sagte die Ministerpräsidentin des Landes NRW, Hannelore Kraft in ihrer Regierungserklärung vom 12.9.2012 (Seite 15 unten) nicht:

„Kunst und Kultur sind kein Luxus – und dürfen es gerade in schwierigen Zeiten nicht sein“

….da muss man fragen wo die Umsetzung ihrer Aussage bleibt?

Hier geht es zur Petition

Informationen:

  • Aufruf der DGUF gegen die Sparpläne der NRW-Landesregierung („DGUF“, 10.4.)
  • Hier der Pressepiegel zur Petition. Presse, Funk und Fernsehen sind aufmerksam geworden und viele kleinere Verlage/Zeitungen zeigen auch wie sich die Einsparungen ganz konkret auf die jeweilige Stadt auswirken würde („DGUF“, 10.4.)
  • Der WDR berichtete in der Lokalzeit über die Einsparungen. Das Video ist noch 7 Tage in der Mediathek einsehbar („WDR“, 9.4)

Virtuelle Präsentationen in der Sonderausstellung „Im Schatten der Pyramide“

Zum 101-jährigen Jubiläum der österreichischen Ausgrabungen in Gizeh präsentiert das Kunsthistorische Museum in Wien die  Sonderausstellung „Im Schatten der Pyramide“. Im Jahre 1912 legte ein österreichisches Grabungsteam die ersten Gräber in der Nähe der Cheops-Pyramide frei. Die geborgenen Objekte aus der Zeit des Alten Reiches (ca. 2.687 – 2.165 v.Chr.) gelangten anschließend in die Sammlung des Kunsthistorischen Museums und werden nun mit weiteren Leihgaben aus anderen Häusern in einer Sonderschau präsentiert.

Grabungsarbeiten am Fuße der Pyramiden, 1928 / © TU Wien

Grabungsarbeiten am Fuße der Pyramiden, 1928 / © TU Wien

Die „normalen“ museale Präsentation wird durch digitale Medien ergänzt. In Kooperation mit der Technischen Universität Wien wurde eine digitale Präsentationen entwickelt, mit deren Hilfe der Besucher eine virtuelle Zeitreise auf das Gizeh-Plateau unternehmen kann, sowohl in die Zeit des Alten Reiches, als auch in die der Ausgrabungen vor hundert Jahren und in die Gegenwart.

Das Gizeh-Plateau wurden mit Hilfe eines 3D-Laserscanners digitalisiert. Die gewonnenen Daten bzw. Punktwolken wurden anschließend an der TU Wien bearbeitet und in 3D-Moelle umgewandelt. Für die Panoramaaufnahmen der Pyramiden, die ebenfalls in die Visualisierung einflossen, kamen Drohnen zum Einsatz.

3D-Punktwolke des Gizaplateaus / © TU Wien

3D-Punktwolke des Gizaplateaus / © TU Wien

Digitales Panoramabild der Pyramiden / © TU Wien

Digitales Panoramabild der Pyramiden / © TU Wien

Die Präsentation soll nicht nur dem Ausstellungsbesucher Informationen vermitteln und ein reizvolles Erlebnis bieten, vielmehr wurde auch auf wissenschaftliche Tiefe und auf die Verknüpfung der Informationen geachtet, die interessierte Wissenschaftlern nutzen können.

Die Visualisierung an sich war nicht das Hauptproblem des Projekts, vielmehr das Zusammentragen der Informationen, die auf viele Bücher und verschiedene Archive verteilt sind. Außerdem liegen sie nur selten bereits digital vor.

Neben einem 3D-Flug über die Pyramiden wird eine virtuelle begehbare Grabkammer präsentiert. Die Artefakte wurden ebenfalls digitalisiert und als 3D-Modell in die virtuelle Grabkammer eingebaut.

Virtueller Rundgang durch eine Grabkammer / © TU Wien

Virtueller Rundgang durch eine Grabkammer / © TU Wien

Die Visualisierung der Grabkammer bietet nicht nur eine rekonstruierte Räumlichkeit, vielmehr handelt es sich um ein Informationssystem. Während sich der Besucher durch die Grabkammer navigiert werden Informationssymbole angezeigt. Bei Auswahl werden dann zu den Objekten bzw. Teilen der Grabkammer vertiefte Informationen dargestellt. So werden z.B. die Übersetzungen der Hieroglyphen-angezeigt.

Es gibt auch ein Video über die Präsentation:

App des Wikinger Museums Haithabu

Auch das Wikinger Museum in Haithabu bietet ein Smartphone-App an. Das Wikingermuseum gehört es zur Stiftung Schleswig-Holsteinischer Landesmuseen und widmet sich der Archäologie und Geschichte der Siedlung Haithabu. Auf Grundlage der Forschungsergebnisse wurde ein Teil der frühmittelalterlichen Stand und der Hafenanlage am Originalplatz rekonstruiert.
(Quelle: Wikipedia - http://ow.ly/hDu04 / © Kai-Erik Ballak / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)“

(Quelle: Wikipedia – http://ow.ly/hDu04 / © Kai-Erik Ballak / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)“

Die App ist sowohl für Android wie auch iOS kostenlos im jeweiligen App-Store erhältlich. Zu beachten ist, das nach der Installation noch zusätzliche Dateien (Audio und Bilder) heruntergeladen werden müssen, eine Datenfaltrate oder WiFi-Zugang ist dafür empfehlenswert.

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Die zweisprachige App bietet neben den üblichen Informationen (Kontakt, Anfahrt, Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Verweis auf die Webseiten) zum Besuch des Wikingermuseums zahlreichen Abbildungen und Plänen auch Bildinfos zu Objekten und der Ausstellung. Des Weiteren gibt auch eine Anfahrtsbeschreibung. Die auf der Webseite des Wikingermuseums in der Beschreibung des Apps erwähnte Anfahrtsskizze und Navigationshilfe gibt es zumindest in der Android-Version der App nicht. Des Weiteren gibt es noch Informationen zu den benachbarten Landesmuseen Schloss Gottorf  mit einer 360°-Ansicht vom Schloss, das unter anderem Sitz des Archäologischen Landesmuseums Schleswig-Holsteins ist.

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Dies allein hebt das App nicht von anderen Museumsapps ab. Das Highlight ist die Audioführung durch die Stationen des Museums und der Wikinger Häuser. Die Audiosequenzen sind einzeln auswählbar und behandeln verschiedenen Stationen des Museums, wie z.B. die Lage der Stadt, die Geweihschnitzerei, verschiedene Funde oder die Häuser der Stadt. Die Sequenzen sind im Schnitt 1 bis 2 Minuten lang, was für prägnante Ausführungen völlig ausreicht und die Aufmerksamkeit des Besuchers nicht überstrapaziert, denn es gibt insgesamt 31 Sequenzen!

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Der Audioguide ist nicht nur während des Museumsbesuchs eine spannende und informative Bereicherung für das visuell erlebten, sondern kann auch sehr gut im Vorfeld als Informationsquelle und zur Einstimmung, wie auch nach dem Besuch zur Wiederholung und Erinnerung an das Erlebte genutzt werden. Zu jedem Audiofile gehört auch eine thematisch passende Abbildung, die z. B. das besprochene Objekt oder eine Karte zeigt.
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