Auralisation – Akustische Rekonstruktion

Akustische Rekonstruktion des Forum Romanum

Wissenschaftler der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) und der Technischen Universität Berlin (TU) haben in einem interdisziplinäres Projekt am Exzellenzcluster „Bild Wissen Gestaltung“ virtuelle Modelle zur politischen Kommunikation im Alten Rom erstellt. Unter anderem wurde dabei eine Auralisation, also eine akustische Rekonstruktion, der akustischen Verhältnisse des Forum  in Rom erstellt.

Volksversammlung Forum Romanum - Virtuelle Rekonstruktion einer Volksversammlung auf dem antiken Forum Romanum in Rom. © digitales forum romanum, 3D-Visualisierung: J. Bartz, D. Mariakschk, A.Müller, S. Muth

Volksversammlung Forum Romanum – Virtuelle Rekonstruktion einer Volksversammlung auf dem antiken Forum Romanum in Rom. © digitales forum romanum, 3D-Visualisierung: J. Bartz, D. Mariakschk, A.Müller, S. Muth

Ziel war es, zu rekonstruieren wie die Reden, und damit auch die politische Dimension der Reden, von den Zuhörern aufgenommen werden konnten. Durch die virtuelle Rekonstruktionen der Akustik als auch der Sichtbarkeit der Redner konnten neue Einblicke in den Alltag der Römer und der damaligen Art der politischen Kommunikation gewonnen werden und auch in ihre Schwachstellen.

Auralisation Forum - Auralisation einer Ansprache auf dem antiken Forum Romanum. © Ch. Böhm, St. Weinzierl, TU Berlin

Auralisation Forum – Auralisation einer Ansprache auf dem antiken Forum Romanum. © Ch. Böhm, St. Weinzierl, TU Berlin

 Hier zwei Beispiele, wie sich dies anhören würde:

Raumakustische Simulation einer Ansprache auf dem Forum, aus 20 m Distanz

Weitere Anwendungen

Diese spannende Rekonstruktion ist nur ein Teil dessen, wie akustische Rekonstruktionen bzw. Auralisationen in der Archäologie eingesetzt werden können um neue Erkenntnisse zu erlangen:

Das Feld der möglichen Untersuchungen ist weit und äußerst spannend. Durch derartige Untersuchen gewinnen wir einen direkten Einblick in die vergangenen Alltagsrealität und Geschichte wird ein Stück lebendiger.

 

Links:

Nofretete, Wärmebildkameras und Bodenradarmessungen

Die Meldung, dass man zwei weitere bisher unbekannte Kammern im Grab des Tutanchamun vermutet hatte einiges Aufsehen erregt.

Kurz zu den Zusammenhängen: Der britische Ägyptologe Nicholas Reeves (University of Arizona und Direktor des Amarna Royal Tombs Projects) ist der Meinung, dass sich noch weitere Kammern in diesem Grab befinden. Bei der Untersuchung von hochauflösenden Fotos der Grabkammer seien ihm feine Linien aufgefallen. An diesen Stellen wurden sich nach dem allgemeinen Muster der Gräber in Tal der Könige auch weitere Kammern befinden, allerdings für die Gräber der Frauen. Geht man davon aus, dass die Grabanlage ursprünglich gar nicht für einen Mann, sondern für eine Frau, möglicherweise Nofretete, angelegt wurde, so würden die Linien die Umrisse von Durchgängen, einer an der Nordwand, ein weiterer an der Westwand, abzeichnen. Reeves führt eine Reihe von Argumenten an, so auch eben den besagten Grundriss der Anlage, der sich nach rechts orientiert, was für Königinnen-Gräber typisch sein, im Gegensatz zu den Gräbern der Könige, die sich nach links orientieren. Er vermutet, dass die Grabanlage eigentlich Nofretete, Tutanchamuns Stiefmutter, gehört und Tutanchamun nachträglich in ihr bestattet wurde, weil er viel zu früh gestorben sei und für ihn deshalb noch keine eigene Grabstätte vorhanden war. Reeves beschäftigte sich eineinhalb Jahre lang mit dieser These und  veröffentlichte sie unter dem Titel „The Burial of Nefertiti?“ auf der Wissenschaftsplattform Academia.
Reeves konnte die ägyptische Antikenbehörde von seiner Theorie überzeugen und im November diesen Jahres wurde Untersuchungen in der Grabkammer unternommen.

Grafik Grab von Tutenchamun

Die bisher bekannte Grabkammer Tutanchamuns Grab (weiß) sowie die vermuteten zusätzlichen Kammern (gelb). Raum x soll ein Nebenraum sein, während bei y Nofretetes Grabkammer vermutet wird (Quelle: Nicholas Reeves – The Burrial of Neferiti)

Zunächst wurde Infrarotmessungen vorgenommen, die von einem internationalem Team des ägyptischen Antikenmuseums, der Universität Kairo und des französischen Heritage, Innovation and Preservation Institute (HIP) durchgeführt wurden. Dabei wurde 24 Stunden lang die Infrarotstrahlung der Wände gemessen und damit die Temperaturunterschiede aufgezeichnet. Die Idee dahinter ist recht einfach, eine Hohlraum weisst eine andere (Luft-)Temperatur auf wie der gewachsene Fels oder ein massives Mauerwerk. Anhand der Ergebnisse konnten Temperaturschwakungen an der Nordwand erkannt werden, was auf eine Kammer oder Durchgang hinweisen könnte.

Später wurden von Hirokatsu Watanabe, einem japanischen Spezialisten für Bodenradarmessungen, noch weitere Messungen durchgeführt. Watanabe hatte bereits früher schon im Amarna Royal Tombs Project mitgewirkt.

Der "Bruch" in den Messdaten der Wand ist im Messdiagramm zu erkennen (Quelle: You Tube Kanal von NG - Video "King Tut Tomb Scans Support Theory of Hidden Chamber")

Der „Bruch“ in den Messdaten der Wand ist im Messdiagramm zu erkennen (Quelle: Screenshot aus Video „King Tut Tomb Scans Support Theory of Hidden Chamber“ @ You Tube Kanal von NG)

Bei seinen Untersuchungen wurde festgestellt, dass sich an den Stellen der vermuteten Kammern/Durchgänge das Material der Wände offenbar abrupt verändert (s. Bild oben). So stellt sich dieser Übergang an der Nordwand als vertikale Linie dar. Die Daten der Messung zeigen einen Hohlraum hinter der Wand an, wohl möglich setzt sich die bekannte Vorkammer wie eine Art Korridor fort.

Man sei sich zwar schon zu 90% sicher, dass es sich hier um weitere Kammern handelt so Ägyptens Minister für Altertümer, Mamdouh el-Damaty, zur „Süddeutschen Zeitung“, aber man will die genauere Untersuchung der Daten der Radarmessung noch abwarten. Dies würde mindestens 4 Wochen in Anspruch nehmen wird. Erst dann wird entschieden wie das weitere Vorgehen aussehen soll. Eine Option ist es an einer Wand ohne Bemalung ein Loch bis zur vermuteten Kammer zu bohren und eine Kamera dort einzuführen.

Wir dürfen gespannt sein. Dieses Projekt ist ein guter Aufhänger um die hier verwendeten Methoden einmal genauer zu betrachten, aber dazu mehr in einem weiteren Blogbeitrag.

Die Kombination von philologischen Informationen und 3D-Scanns bei der Analyse von Keilschrifttafeln

Um ca. 3000.v.Chr. entwickelte sich im Vorderen Orient eine Hochkultur, die über eine bemerkenswerte Form der Informationsspeicherung verfügte, die Keilschrift. Dabei wurden mit einem keilförmigen Griffel Buchstaben bzw. Zeichen in eine noch feuchte Tontafel gedrückt. Über eine halbe Million dieser Tontafeln wurden bis heute gefunden, die Informationen über alle möglichen Bereiche des Lebens enthalten. Das Hauptproblem der Wissenschaftler ist allerdings die oft starke Fragmentierung der Tontafeln, die eine Entzifferung der Texte nahezu unmöglich macht.
Genau hier setzt das BMBF-Projekt „3D Joins und Schriftmetrologie“ an. In diesem Projekt kooperieren der Würzburger Lehrstuhl für Altorientalistik mit der Forschungsstelle „Hethitische Forschungen“ der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz sowie der Lehrstuhl für Graphische Systeme (Informatik VII) der Technischen Universität Dortmund.
CuneiformAnalyser (Quelle: Screenshot vom Video der Software - http://www.cuneiform.de/uploads/media/CA_Demo_Joining.mp4, vom 21.10.2015)

CuneiformAnalyser (Quelle: Screenshot vom Video der Software – http://www.cuneiform.de/uploads/media/CA_Demo_Joining.mp4, vom 21.10.2015)

Das interessante an diesem Projekt ist, dass die Tontafeln nicht einfach nur digitalisiert werden um sie in 3D auf einem Bildschirm darstellen zu können, sondern das computergestützte Zusammensetzen von zerbrochenen Tontafeln. Projektziel ist die Erstellung von Konzepten und Methoden zur Erhebung von (Keil-)Schriftmerkmalen auf den fragmentierten Tontafeln, um sie entsprechend sortieren und zuordnen zu können, um schließlich eine dreidimensionalen Rekonstruktion der einzelnen Tontafeln zu erstellen.
Basis der Untersuchung sind die mit Hilfe von Streifenlicht(Laser)-Scanner erstellten hochaufgelösten Scanns bzw. Punktwolken der Tontafelfragmente. Mittels einer Software namens „CuneiformAnalyser“, ein graphisches Werkzeug zur Analyse der gescannten Tontafeln, werden die Fragmente virtuell zusammengesetzt. Bei der „Zusammenpusselung“ der Stücke wird aber nicht nur nach rein optischen Anhaltspunkten vorgegangen, sondern auch die in Keilschrift auf dem Tontafelfragment abgebildeten Informationen berücksichtigt. Die Software integriert also eine Visualisierung und automatisierter 3D-Analyse als auch philologische Daten.
Besonders erfreulich sind die Videos auf der Projektwebseite, die die Herangehensweise und Durchführung darstellen. Abgesehen von dieser spannenden Analysemethode ist die Dokumentation auf der Projektwebseite wirklich beispielhaft. So werden die Methoden gut beschrieben und sogar in Videos demonstriert, es gibt Literaturhinwiese mit Online-Literatur als auch Beispieldaten zum freien Download.
Der Wunsch das Projekt „3D-Joins und Schriftmetrologie“ auch zukünftig in DARIAH einzubinden ist sehr begrüßenswert, da so die Daten und auch die eigens entwickelte Software dauerhaft gespeichert wird und für die Forschung weiter nutzbar bleibt.

Portable XRF-Scanner – ein bisschen Star-Trek-Flair in der Archäologie

Auf den ersten Blick mutet es schon etwas sehr wie Science-Fiction an. Ein Archäologie hockt im Grabungsschnitt und zielt mit einem Gerät, dass aussieht wie die Space-Invader-Pistole seines Sohnes, auf ein Artefakt. Er drückt einen Knopf und „BING“, bekommt ein Ergebnis angezeigt.

Portabler XRF-Scanner im Einsatz  (Screenshot - Quelle: http://www.elleryfrahm.com/marie_curie_courses.html; 4.10.2013)

Portabler XRF-Scanner im Einsatz (Screenshot – Quelle: http://www.elleryfrahm.com/marie_curie_courses.html; 4.10.2013)

Portable XRF-Scanner werden immer beliebter in der Archäologie und auch im Museumsbereich. Ein Grund sich diese Geräte einmal näher anzuschauen. Was bedeutet eigentlich XRF? XRF steht für „X-ray fluorescence“, zu deutsch „Röntgenfluoreszenzanalyse“. Es handelt sich um eine zerstörungsfreie Methoden, mit der die qualitativen und quantitativen elementare Zusammensetzung einer Probe analysiert werden kann. Eine ganze Reihe an Materialen können untersucht werden, wie z.B. Metalle, Keramik, Feuerstein, Glas, Sedimente. Eine Einführung zur Anwendung der XRF-Analyse in der Archäologie gibt es hier.

Somit liegen die Vorteile eines portablen XRF-Scanners auf der Hand. Der portable Einsatz im Feld ermöglicht nun schon während der Grabung neue Erkenntnisse zu gewinnen, die möglicherweise z.B. den Verlauf oder den Schwerpunkt der Grabung beeinflussen können. Zerstörungsfreie Untersuchungsmethoden sind uns Archäologen immer willkommen, schließlich sind die Artefakte oft Unikate. Andere Vorteile sind die einfache Anwendung (kein Spezialist nötig, nur kurze Einarbeitungszeit) und die geringen Kosten im Vergleich zu anderen Geräten, Laboranalysen etc. Natürlich hat diese Methode auch Schwächen. Die Probe muss größer als 10 mm und dicker als 2 mm sein, anderenfalls sind die Ergebnisse weniger exakt. Bei der portablen Methoden können nur Elemente von Titan (Ti) bis Niob (Nb) analysiert werden (s. Periodensystem). Kleine Mengen von Elementen können nicht charakterisiert werden.

Anwendungsmöglichkeiten bieten sich zum Beispiel bei der Analyse von Keramik und der dazugehörigen geologischen (Ton-)Schichten, wo z.B. Anhand der Informationen zur Magerung die Herstellungsorte unterschieden werden können. Eine deutsche Studie zu Anwendbarkeit der p-XRF-Methode bestätigt die Einsatzmöglichkeiten am Beispiel der Herkunftsbestimmung von römischer Keramik.

Bei der Anwendung des p-XRF-Scanners im Bereich der Feuerstein-Analyse sehe ich noch großes Potential. Die Zusammensetzung von Feuerstein gleicht einem Fingerabdruck, anhand dessen man den Ursprungsort des Rohmaterials eines Artefakts bestimmen kann. Mit dem Handscanner können nun im Feld in sehr kurzer Zeit große Mengen an Informationen gesammelt werden. Die sehr zeitaufwendigen und auch in der Quantität beschränkten Auswertungen im Labor entfallen.

p-XRF-Scanner bei der Aufnahme der geologischen Zusammensetung eines archäologischen Befundes (Screenshot - Quelle: http://blogs.oregonstate.edu/coopersferryarchaeology/2010/07/26/coopers-ferry-in-the-news-and-a-new-feature/ ; 4.10.2013)

p-XRF-Scanner bei der Aufnahme der geologischen Zusammensetzung eines archäologischen Befundes (Screenshot – Quelle: http://blogs.oregonstate.edu/coopersferryarchaeology/2010/07/26/coopers-ferry-in-the-news-and-a-new-feature/ ; 4.10.2013)

Interessant ist auch eine Arbeit zur Anwendung der p-XRF-Methode bei Moorleichen, wo wertvolle Informationen zum konservierten Körper und seiner Umgebung gesammelt werden können, die auch für die Konservierung der Moorleiche wichtig sind.

Im Museumsbereich können p-XRF-Scanner z.B. für den Nachweis von Pestiziden oder anderen Chemikalien verendet werden. Gerade die Konservierungsmethoden zu Beginn des 20. Jahrhundert bereiten heute im wahrsten Sinne des Wortes Kopfschmerzen, wie ich selber schon mit DDT an organischen Objekten  erleben „durfte“. Damals wurden Chemikalien verwendet, die heute immer noch toxisch sind oder nach fast 100 Jahren instabil werden und ihre Giftstoffe freisetzen (Einsatz eines p-XRF-Scanners in diesem Zusammenhang z.B. hier).

Links zu Artikeln und weiteren Informationen:

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„GIS? Das ist doch so modernes Zeug!“ Von wegen! GRASS GIS ist 30!

Hin und wieder bekommt man bzw. der Archäologe zu hören, dass die Anwendung von GIS „so modernes Zeug“ oder ein „hippes Analyse-Gedöns“ ist.

Weit gefehlt: GRASS GIS z.B. feierte diese Jahr seinen dreißigsten Geburtstag! GIS ist also alles andere als ein „modernes“ Analyse-Tool. Es ist zu hoffen, dass dies auch einmal in den Köpfen einiger Kollegen ankommt. GIS ist nicht die Wunderlösung für alle archäologischen Probleme, sollte aber ein essentieller Bestandteil bei der Auswertung von Fundplätzen oder Landschaften sein.

Dazu ein fast schon nostalgisches, aber bezüglich Anwendung immer noch aktuelles, Video über GRASS GIS von 1987:

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=U3Hf0qI4JLc&feature=player_embedded&w=640&h=360]

rebloggt von digital-geography.com:

30 years of GRASS: a critical birthday comment

Dear GRASS GIS: Happy birthday! There has been a lot movement in the last decades and you enriched our workflows and our way of spatial thinking. There were books written for you , movies filmed for you and you’ve got your very …..

Weiterlesen…

Beiträge der CAA Proceedings online

Die Proceedings der CAA (Computer Applications in Archaeology) sind bzw. werden online gestellt.

Bisher sind 627 Beiträge aus den Jahrgänge 1973 bis 1998 als PDF online, die folgenden sollen im Laufe des Jahres folgen.

Zusammenstellung von freien GIS Programmen – Teil 2

UDig

Neben dem Anzeigen und Bearbeiten von räumlichen Daten, wobei hier vor allen WMS und WFS Daten, wie auch GeoRSS, KML und tiles berücksichtigt werden, stellt uDig (User-friendly Desktop) auch einen Entwicklungsumgebung für die Erstellung von Java/Eclipse GIS Applikationen dar (GIS Framework für Eclipse). uDig kann durch RCP (Rich Client Platform) plug-ins erweitert werden, bzw. selber als plug-in in eine bereits existierende RCP eingebunden werden.

GRASS GIS

(Quelle:Wikipedia - http://ow.ly/hzvcX / GNU General Public License)

(Quelle:Wikipedia – http://ow.ly/hzvcX / GNU General Public License)

GRASS GIS (Geographic Resources Analysis Support System) wird zwar in einigen anderen GIS Systemen (z.B. gvSIG) eingebunden, kann aber auch als eigenständiges GIS mit  raster- und vektororientierten Funktionen verwendet werden. Neben der Auswertung von räumliche Daten können auch Bilder verarbeitet, Grafiken und Karten erstellt, sowie räumliche Daten modelliert und visualisiert werden. Außerdem stehen Im- und Exportfunktionen in verschiedenen Datenformaten zur Verfügung. Interessant ist die portable Struktur des Programms, so dass es auf verschiedenen Betriebssystemen mit graphischer Oberfläche oder auch per Kommandozeile betrieben werden kann.

ArcGIS Explorer

(Quelle: Screenshot - http://www.esri.com/software/arcgis/explorer; 9.2.2013)

(Quelle: Screenshot – http://www.esri.com/software/arcgis/explorer; 9.2.2013)

ArcGIS Explorer ist ein Desktop Klient, der auf den ArcGIS Server zugreift. Im Gegensatz zu den übrigen Produkten von Esri ist der ArcGIS Explorer kostenlos! Mit dem Explorer kann unter einer einheitlichen Oberfläche auf verschiedene Web Servies, Daten und GIS Dienste zugegriffen werden. Neben Web-Daten, z.B. von ArcIMS, können auch Daten von anderen Web Map Services (WMS) genutzt werden, wie auch lokale Daten in Form von Shapefiles, File Geodatabases, Rasterdaten und anderen Formaten (IMG, KML, GeoTIFF, JPEG2000, MrSID) eingelesen und verarbeitet werden. Auch eine Geoverarbeitung und 3D Darstellung ist möglich. Sicher ist der ArcGIS Explorer kein vollständiges GIS, aber für einfachere Aufgaben, wie z.B. der Visualisierung von Raumdaten und einfachen Analysen, ist er sehr nützlich. Ein großer Vorteil hierbei ist die Möglichkeit die Daten mit anderen auszutauschen, was gerade z.B. bei dezentralen Forschungsprojekten von Vorteil ist.

Zusammenstellung von freien GIS Programmen – Teil 1

Hier einmal einen kurze Zusammenstellung von freien GIS-Programmen, die für die Arbeit in der Archäologie nutzbar sind bzw. schon dafür genutzt werden. Von Zeit zu Zeit werde ich die Liste aktualisieren und erweitern.

gvSIG – Oxford Edition für Archäologen

Quelle: Wikipedia - http://ow.ly/h2rkn / CC Attribution ShareAlike 2.5 License)

(Quelle: Wikipedia – http://ow.ly/h2rkn / CC Attribution ShareAlike 2.5 License)

Das gvSIG Projekt ist ein freies und Open Source Geoinformations System. Oxford Archaeology hat eine modifizierte Version erstellt, die speziell für Archäologen interessant ist. GRASS GIS Funktionen/Module können eingebunden werden. Ich nutze gvSIG öfters und finde es sehr gelungen, wenn auch zum Teil sehr komplex und manchmal etwas schwierig in der Handhabung. Vom Umfang kommt es aber den kommerziellen GIS Programmen sehr nahe. Zur alltäglichen Arbeit und einige Analysen ist es mehr als ausreichend. Für die Arbeit in der praktischen Bodendenkmalpflege ist die Einbindung von Remote Daten (z.B. OGC-WMS, WCS, WFS, ECWP, Gazetter- und Catalog- Service) äußerst hilfreich. Außerdem gibt es eine deutsche Oberfläche.

SagaGIS

(Quelle - Wikipedia: http://ow.ly/h2rbV / GNU General Public License)

(Quelle: Wikipedia – http://ow.ly/h2rbV / GNU General Public License)

Der Schwerpunkt von SagaGis liegt in der Verarbeitung und Analyse von Rasterdaten. Beim Layout soll es aber Schwächen haben. Es wird hauptsächlich am Fachbereich Geographie der Universität Hamburg entwickelt. Es ist für die Bearbeitung von Vektordaten und Erstellung thematischen Karten sehr gut geeignet. Auch hier gibt es eine deutsche Oberfläche.

Open Jump GIS

(Quelle: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Openjump-screenshot.jpg&filetimestamp=20061104143748 / deutsches OpenJUMP Tutorial von Uwe Dallüge)

(Quelle: Wikipedia – http://ow.ly/h2r30 / deutsches OpenJUMP Tutorial von Uwe Dallüge)

OpenJUMP ist ein Desktop-GIS, das in Java geschrieben wurde. Es kann durch Plugins im Funktionsumfang erweitert werden. Mit ihm können verschiedene Vektoren-, sowie Rasterformate und OGC Standards wie WMS, WFS verarbeitet werden. Deutsche Oberfläche vorhanden.

QGIS / QuantumGIS

(Quelle: Wikipedia – http://ow.ly/h2qVe / CC Attribution ShareAlike 2.5 License)

QGIS ist ein Geographisches Informationssystem welches auf vielen Betriebssystemen läuft und Raster, Vektor (z.B. GeoTIFF und Shapefiles) sowie räumlicher Datenbanken (z.B. PostGIS und SpatiaLite). Digitalisier-Werkzeuge und Funktionen zur Erstellung von Druckzusammenstellungen sind ebenfalls vorhanden, GRASS Module önnen ebenfalls  eingebunden werden. Interessant für die Verarbeitung von Geo-Daten von Prospektionen ist die GPS-Erweiterung, mit der GPX-Dateien eingelesen oder vom Programm aus direkt auf ein GPS-Gerät zuzugreifen werden kann. Neben verschiedenen Plattformen wie Unix, Linux, Mac OS X  und Windows auch unter Android. Hier sein noch einmal auf das Video-Tutorial zu QGIS hingewiesen.

Esri gibt ebook “Agent Analyst: Agent-Based Modeling in ArcGIS” kostenlos zum Download frei

Für diejenigen, die mit ArcGIs arbeiten und Agent-Based Modeling betreiben, ist dieses 559 Seiten starke (!) ebook wirklich interessant:

„Agent Analyst: Agent-Based Modeling in ArcGIS“

Autoren: Kevin M. Johnston (Editor), Daniel G. Brown, Nicholson Collier, Hamid R. Ekbia, Mary Jo Fraley, Elizabeth R. Groff, Michelle A. Gudorf, Naicong Li, Arika Ligmann-Zielinska, Michael J. North, Derek T. Robinson, and Nathan Strout / Esri Press 2012

Das Buch ist in fünf Kapitel aufgeteilt, in der die einzelnen für eine agentenbasierte Simulation nötigen Techniken und Funktionen des Programms „Agent Analyst“  in Form von Übungen erarbeitet werden. Zum Beispiel wird erläutert wie man Agentenbasierte Modelle mit Punkten, Polygonen Rastern und Netzwerken erstellt.

Die verwendete Software, „Agent Analyst“, ist ein mit ArcGIS kompatibles open source Programm. Um die Übungen komplett abschließen zu können wir neben der Agent Analyst Software auch ArcGIS Desktop 10 benötigt. Interessierte können eine 60-Tage-Trial Version von ArcGIS Desktop 10 downloaden. Auf der Seite der University of Redlands werden neben dem Programm „Agent Analyst“  auch drei Tutorials zur Software angeboten.

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Foto: Quinn Dombrowski (Fotorechte siehe http://www.flickr.com/people/quinnanya/)

Das Agent-Based Modeling, kurz ABM, ist ein computergestützten Verfahren, um Simulationen und Modelle zu erstellen bzw. zu überprüfen. Hierbei werden sogenannte „Agenten“ verwendet. Dies sind unabhängige Individuen, die in beschränktem Maße ihre „Umwelt“ wahrnehmen und mit ihr und anderen Agenten interagieren können. Dabei werden den Agenten Verhaltensregeln vorgegeben, die sozusagen die Stellschrauben der Simulation darstellen. Man unterscheidet grob zwei Modelltypen. Entweder wird ein einzelner Agent in eine „Welt“ eingesetzt, mit der er dann interagiert, oder es wird eine größere Anzahl an Agenten /Agentengruppen eingesetzt, die mit anderen und ihrer Umwelt  interagieren können und auch eine „Gesellschaft“ bilden können.

Zu den Grundlagen des ABM sei auf ein Tutorial  (Agent-based modelling and simulation“) verwiesen, dass im Journal of Simulation publiziert wurde.

Gerade in der Archäologie eröffnen sich durch das ABM neue Möglichkeiten um Netzwerke, landschafts-, siedlungs- und gesellschaftsdynamische Prozesses zu untersuchen. Ein interessantes Beispiel ist z.B. eine agentenbasierte Simulation für den bronzezeitlichen Salzbergbau in Hallstatt.

Quellen:

QGIS-Video-Tutorial

Da Archäologen bzw. Institutionen, die in diesem Bereich tätig sind, meist nur über ein kleines Budget verfügen, bin ich immer auf der Suche nach Open Source Programmen für die Datenauswertung. Vor allem GIS-Programme (Geoinformationssysteme) sind ein wichtiges und nützliches Werkzeug zur Darstellung, Bearbeitung, Erfassung und Analyse von räumlichen Daten. Allerdings sind die kommerziellen Programme meist recht kostspielig.

QGIS, oder auch Quantum GIS genannt, ist ein freies GIS-Programm, dass in seiner Grundausstattung recht einfach ist. Allerdings hat man durch Plugins und der Integrierung von GRASS GIS (ein weiteres freies Popgramm) mit ArcGIS vergleichbare Möglichkeiten. Interessant ist auch die GPS-Einbindung, mit der GPS-Daten vom Gerät eingelesen werden können. Es besteht außerdem die Möglichkeite von QGIS aus direkt auf das Gerät zuzugreifen.

Das englischsprachige Video-Tutorial von Paul Driscoll führt in die Basisfunktionen von QGIS ein.

Den Verweis auf das Video habe ich in „Doug’s Archaeology“-Blog entdeckt.

Für Hinweise auf freie Software für GIS-Analyse, Fotobearbeitung, 3D modeling, Structure-from-Motion etc. bin ich immer dankbar!

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