Nofretete, Wärmebildkameras und Bodenradarmessungen

Die Meldung, dass man zwei weitere bisher unbekannte Kammern im Grab des Tutanchamun vermutet hatte einiges Aufsehen erregt.

Kurz zu den Zusammenhängen: Der britische Ägyptologe Nicholas Reeves (University of Arizona und Direktor des Amarna Royal Tombs Projects) ist der Meinung, dass sich noch weitere Kammern in diesem Grab befinden. Bei der Untersuchung von hochauflösenden Fotos der Grabkammer seien ihm feine Linien aufgefallen. An diesen Stellen wurden sich nach dem allgemeinen Muster der Gräber in Tal der Könige auch weitere Kammern befinden, allerdings für die Gräber der Frauen. Geht man davon aus, dass die Grabanlage ursprünglich gar nicht für einen Mann, sondern für eine Frau, möglicherweise Nofretete, angelegt wurde, so würden die Linien die Umrisse von Durchgängen, einer an der Nordwand, ein weiterer an der Westwand, abzeichnen. Reeves führt eine Reihe von Argumenten an, so auch eben den besagten Grundriss der Anlage, der sich nach rechts orientiert, was für Königinnen-Gräber typisch sein, im Gegensatz zu den Gräbern der Könige, die sich nach links orientieren. Er vermutet, dass die Grabanlage eigentlich Nofretete, Tutanchamuns Stiefmutter, gehört und Tutanchamun nachträglich in ihr bestattet wurde, weil er viel zu früh gestorben sei und für ihn deshalb noch keine eigene Grabstätte vorhanden war. Reeves beschäftigte sich eineinhalb Jahre lang mit dieser These und  veröffentlichte sie unter dem Titel „The Burial of Nefertiti?“ auf der Wissenschaftsplattform Academia.
Reeves konnte die ägyptische Antikenbehörde von seiner Theorie überzeugen und im November diesen Jahres wurde Untersuchungen in der Grabkammer unternommen.

Grafik Grab von Tutenchamun

Die bisher bekannte Grabkammer Tutanchamuns Grab (weiß) sowie die vermuteten zusätzlichen Kammern (gelb). Raum x soll ein Nebenraum sein, während bei y Nofretetes Grabkammer vermutet wird (Quelle: Nicholas Reeves – The Burrial of Neferiti)

Zunächst wurde Infrarotmessungen vorgenommen, die von einem internationalem Team des ägyptischen Antikenmuseums, der Universität Kairo und des französischen Heritage, Innovation and Preservation Institute (HIP) durchgeführt wurden. Dabei wurde 24 Stunden lang die Infrarotstrahlung der Wände gemessen und damit die Temperaturunterschiede aufgezeichnet. Die Idee dahinter ist recht einfach, eine Hohlraum weisst eine andere (Luft-)Temperatur auf wie der gewachsene Fels oder ein massives Mauerwerk. Anhand der Ergebnisse konnten Temperaturschwakungen an der Nordwand erkannt werden, was auf eine Kammer oder Durchgang hinweisen könnte.

Später wurden von Hirokatsu Watanabe, einem japanischen Spezialisten für Bodenradarmessungen, noch weitere Messungen durchgeführt. Watanabe hatte bereits früher schon im Amarna Royal Tombs Project mitgewirkt.

Der "Bruch" in den Messdaten der Wand ist im Messdiagramm zu erkennen (Quelle: You Tube Kanal von NG - Video "King Tut Tomb Scans Support Theory of Hidden Chamber")

Der „Bruch“ in den Messdaten der Wand ist im Messdiagramm zu erkennen (Quelle: Screenshot aus Video „King Tut Tomb Scans Support Theory of Hidden Chamber“ @ You Tube Kanal von NG)

Bei seinen Untersuchungen wurde festgestellt, dass sich an den Stellen der vermuteten Kammern/Durchgänge das Material der Wände offenbar abrupt verändert (s. Bild oben). So stellt sich dieser Übergang an der Nordwand als vertikale Linie dar. Die Daten der Messung zeigen einen Hohlraum hinter der Wand an, wohl möglich setzt sich die bekannte Vorkammer wie eine Art Korridor fort.

Man sei sich zwar schon zu 90% sicher, dass es sich hier um weitere Kammern handelt so Ägyptens Minister für Altertümer, Mamdouh el-Damaty, zur „Süddeutschen Zeitung“, aber man will die genauere Untersuchung der Daten der Radarmessung noch abwarten. Dies würde mindestens 4 Wochen in Anspruch nehmen wird. Erst dann wird entschieden wie das weitere Vorgehen aussehen soll. Eine Option ist es an einer Wand ohne Bemalung ein Loch bis zur vermuteten Kammer zu bohren und eine Kamera dort einzuführen.

Wir dürfen gespannt sein. Dieses Projekt ist ein guter Aufhänger um die hier verwendeten Methoden einmal genauer zu betrachten, aber dazu mehr in einem weiteren Blogbeitrag.

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  1. Nofretete und die massiven Wände | Archäologie 2.0

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