• Guido Nockemanns ist Archäologe, Sammlungsleiter, Museumsmensch und obwohl vor 1980 geboren irgendwie doch ein "Digital Native".
    Sein Forschungsinteresse gilt neben dem Neolithikum und der Museums- und Sammlungsarbeit auch den Einsatzmöglichkeiten der IT sowie den Nutzungsmöglichkeiten des Web 2.0 und von Social Media in der archäologischen Forschung als auch im Museumsbereich.

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Die Kombination von philologischen Informationen und 3D-Scanns bei der Analyse von Keilschrifttafeln

Um ca. 3000.v.Chr. entwickelte sich im Vorderen Orient eine Hochkultur, die über eine bemerkenswerte Form der Informationsspeicherung verfügte, die Keilschrift. Dabei wurden mit einem keilförmigen Griffel Buchstaben bzw. Zeichen in eine noch feuchte Tontafel gedrückt. Über eine halbe Million dieser Tontafeln wurden bis heute gefunden, die Informationen über alle möglichen Bereiche des Lebens enthalten. Das Hauptproblem der Wissenschaftler ist allerdings die oft starke Fragmentierung der Tontafeln, die eine Entzifferung der Texte nahezu unmöglich macht.
Genau hier setzt das BMBF-Projekt „3D Joins und Schriftmetrologie“ an. In diesem Projekt kooperieren der Würzburger Lehrstuhl für Altorientalistik mit der Forschungsstelle „Hethitische Forschungen“ der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz sowie der Lehrstuhl für Graphische Systeme (Informatik VII) der Technischen Universität Dortmund.
CuneiformAnalyser (Quelle: Screenshot vom Video der Software - http://www.cuneiform.de/uploads/media/CA_Demo_Joining.mp4, vom 21.10.2015)

CuneiformAnalyser (Quelle: Screenshot vom Video der Software – http://www.cuneiform.de/uploads/media/CA_Demo_Joining.mp4, vom 21.10.2015)

Das interessante an diesem Projekt ist, dass die Tontafeln nicht einfach nur digitalisiert werden um sie in 3D auf einem Bildschirm darstellen zu können, sondern das computergestützte Zusammensetzen von zerbrochenen Tontafeln. Projektziel ist die Erstellung von Konzepten und Methoden zur Erhebung von (Keil-)Schriftmerkmalen auf den fragmentierten Tontafeln, um sie entsprechend sortieren und zuordnen zu können, um schließlich eine dreidimensionalen Rekonstruktion der einzelnen Tontafeln zu erstellen.
Basis der Untersuchung sind die mit Hilfe von Streifenlicht(Laser)-Scanner erstellten hochaufgelösten Scanns bzw. Punktwolken der Tontafelfragmente. Mittels einer Software namens „CuneiformAnalyser“, ein graphisches Werkzeug zur Analyse der gescannten Tontafeln, werden die Fragmente virtuell zusammengesetzt. Bei der „Zusammenpusselung“ der Stücke wird aber nicht nur nach rein optischen Anhaltspunkten vorgegangen, sondern auch die in Keilschrift auf dem Tontafelfragment abgebildeten Informationen berücksichtigt. Die Software integriert also eine Visualisierung und automatisierter 3D-Analyse als auch philologische Daten.
Besonders erfreulich sind die Videos auf der Projektwebseite, die die Herangehensweise und Durchführung darstellen. Abgesehen von dieser spannenden Analysemethode ist die Dokumentation auf der Projektwebseite wirklich beispielhaft. So werden die Methoden gut beschrieben und sogar in Videos demonstriert, es gibt Literaturhinwiese mit Online-Literatur als auch Beispieldaten zum freien Download.
Der Wunsch das Projekt „3D-Joins und Schriftmetrologie“ auch zukünftig in DARIAH einzubinden ist sehr begrüßenswert, da so die Daten und auch die eigens entwickelte Software dauerhaft gespeichert wird und für die Forschung weiter nutzbar bleibt.
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