Die Lichtfeldkamera und ihr möglicher Einsatz in der archäologischen Dokumentation

Eine neue Technk in der digitalen Fotographie könnte grossen Einfluss auf die archäologische Foto-Dokumentation nehmen. Die amerikanische Firma Lytro präsentiert eine Lichtfeldkamera, die entgegen herkömmlicher Digitalkameras einige neue und interessante Funktionen aufweist.

Lytro Lichtfeldkamera
(Quelle: Lytro Presse-Bereich: https://www.box.com/s/dcozhzag808hv9x9bs3y/1/132497847/3515103988/1)

Bei einer konventionellen analogen wie auch digitalen Kamera fokussiert ein Objektiv das einfallende Licht auf den Bildsensor bzw. den Film. Diese Technik führt dazu, dass Objekte, die sich nicht im Fokus befinden, unweigerlich unschaft aufgenommen werden (Problem der Tiefenschärfe). Eine nachträgliche Fokussierung am Bild ist nicht möglich. In der künstlerischen Fotographie ist Unschärfe ein durchaus wichtiges Gestaltungsmittel, in der Dokumentation allerdings eher störend. Bei der Lichtfeldkamera hingegen werden mehr Bildinformationen aufgezeichnet, die es ermöglichen im Nachhinein, auf dem Kameradisplay oder am PC, den Fokus des Bildes zu verändern bzw. frei zu wählen. So kann z.B. der Fokus von der Person im Bildvordergrund auf das weiter hinten gelgene Haus gelegt werden und umgekehrt. Mit einem Klick auf die folgende Abbildung gelangt man zu einem Beispielbild, an dem man das nachträgliche Fokussieren selber ausprobiert kann. Einzelheiten zur Technik und Kamera sind hier einzusehen.

Screenshot Lytro Gallery.
Bild im Vordergrund von „kentrombatore“.
(Quelle: http://www.lytro.com/living-pictures/100632)

Wo aber läge der Nutzen dieser neuen Technologie für die archäologischen Foto-Dokumentation? Archäologische Ausgrabungen sind immer eine kontrollierte Zerstörung. Um neue Erkentnisse zu gewinnen, müssen z.B. Schichten abgetragen werden, Befunde in ihre Bestandteile zerlegt und geborgen werden. Dies hat zur Folge, dass er ursprüngliche Zustand unwiederbringlich verloren geht und somit auch die Chance auf eine nachträgliche Dokumentation. Im Arbeitsprozess einer Ausgrabung gibt es also nur ein kurzes Zeitfenster in dem die Dokumentation erfolgen kann bzw. muss.
Jeder der schon einmal auf eine Ausgrabung gearbeitet hat kennt (leider) auch die Arbeitsrealität: Erst später stellt man fest, dass die digitalen Fotos der Ausgrabung doch etwas zu unschaft sind, weil man vor Ort dies entweder nicht rechtzeitig überprüft hat oder konnte, oder es aufgrund des kleinen Kameradisplays und/oder den widrigen Lichtverhältnissen nicht festgestellt hat. Oft werden auch erst bei der späteren Auswertung der Dokumentation anhand der Fotos Zusammenhänge erkannt, die während der Ausgrabung so noch nicht zu erkennen waren. Eine Korrektur der Foto-Dokumentation ist nun aber nicht mehr möglich.

Eine Lichtfeldkamera würde hier Abhilfe schaffen. Nun können die Fotos je nach Bedarf auf das Detail fokussiert werden, was gerade von Interesse ist. Ein weiterer Punkt wäre die Reduzierung des Dokumentationsaufwands. Liegt z.B. ein Befund mit einer großen räunmlichen Tiefe vor, so müssen nicht ganze Serien von Fotos mit verschiedenen Tiefenschärfen angelegt werden. Unter Studiobedingungen wäre dies durch eine optimale Ausleuchtung für eine maximale Tiefenschärfe kein Problem, aber solche Möglichkeiten sind auf Ausgrabungen nicht gegeben.

Neben der Möglichkeit der nachträglichen Fokussierung ist es mit der Lichtfeldkamera auch möglich alle Bereiche eines Fotos gleichzeitig scharf abzubilden. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn z.B. aufgrund des beschränkten Rahmens einer Publikation soviel Information wie möglich mit einer kleine Anzahl von Abbildungen transportiert werden müsen.

In Ansätzen ist es auch schon möglich mit der Lichtfeldkameram 3D-Aufnahmen zu machen, also Fotos bei dem nachträglich der Betrachtungsstandort verändert werden kann. Man darf auf die Entwicklung dieser Technik gespannt sein und hoffen, dass sich bei entsprechenden Verkaufszahlen der noch recht hohe Preis dieser Kamera (399 bis 499 $) verringert.

Weitere Quellen:

Chip.de

c|net

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