Neue Kalibrierung des C-14-Kurve

Diese Meldung hat zwar nur bedingt etwas mit der Archäologie 2.0 gemein (auch wenn für die Durchführung der C-14 Datierung Computer nötig sind), aber sie ist für die Archäologie an sich wichtig.

Am japanischen Suigetsu-See wird ein Forschungsprojekt durchgeführt, bei dem Wissenschaftler der University of Oxford Bohrkerne mit einer ungestörten Sedimentabfolge geborgen haben, die schon rein optisch anhand der Warven auf das Jahr genau datiert werden konnten. Die Ergebnisse wurden im der „Science“ (Band 338, S. 370) vorgestellt.

Durch die neue Kalibrierung werden sich zwar wohl kaum größere Neudatierungen von Funden ergeben, aber sie ermöglichen es nun bestimmte Ereignisse auf Jahrhunderte genau einzuordnen, was bisher nur grob möglich war.

Den Artikel bei Spektrum.de finden sie hier, der Tagesspiegel publizierte ebenfalls einen Artikel dazu.

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2 Kommentare

  1. Sonja B. Grimm

     /  22. Oktober 2012

    Oh, toll! Sie können den Laacher See jetzt auf 12 842 +/- 53 Jahre vor heute datieren… Nicht nur für den Spätglazial-Laien ist das eine „so what!?“ Information.
    Dem Spätglazial-Laien sei gesagt: Gerade die vulkanische Ascheablagerungen des Laacher See Vulkans (Ost-Eifel, Deutschland), die sogenannte Laacher See Tephra (LST), ist ein wesentlicher chronologische Marker am Ende des Eiszeitalters. Die quasi-zeitgleich abgelagerten LST-Schichten fanden sich als sichtbare Lagen in einem Gebiet von Ostfrankreich bis Ostdeutschland und von Norditalien bis Südschweden. In der Ost-Eifel gibt es nun viele weitere Vulkankrater – die meisten deutlich älter als der Laacher See. In diesen Kratern sammelte sich Wasser und Sediment ganz ähnlich den Ablagerungen von Suigetsu in Japan. Anhand dieser Ablagerungen, sowie ähnlicher Ablagerungen aus Norddeutschland und der Schweiz, in denen sich ebenfalls die LST fand, konnte der Ausbruch des Laacher See Vulkans schon seit über 10 Jahren auf sehr viel weniger Jahrzehnte-genau datiert werden (vgl. M. Baales / O. Jöris / M. Street / F. Bittmann / B. Weninger / J. Wiethold, Impact of the Late Glacial Eruption of the Laacher See Volcano, Central Rhineland, Germany. Quaternary Research 58, 2002, 273–288). Was natürlich nicht nur den Experten zu der Frage verleitet, worin also der Mehrwert, bzw. der Erkenntnisgewinn der Feststellung liegt diesen Ausbruch auf knapp ein Jahrhundert genau datieren zu können.
    Am Beispiel der LST wird also deutlich, dass in manchen Bereichen wie der Sedimentologie, Dendrochronologie oder auch Glaziologie präzisere Zeitmesser zur Verfügung stehen als 14C-Datierungen. Archäologisches Fundmaterial kann allerdings selten mit solchen hochaufgelösten Datenarchive direkt verknüpft werden, weshalb zur genaueren Datierung in der Archäologie zumeist auf die 14C-Methode zurückgegriffen wird. Da die Ergebnisse dieser 14C-Datierung nicht unseren Kalenderjahren entsprechen, müssen die Daten auf Kalenderjahre kalibriert werden. Bis in die letzte Kaltzeit, die sogenannte Jüngere Dryas, hinein wurde basierend auf der mitteleuropäischen Dendrochronologie eine solche Eichkurve geschaffen, über das Ende der Dendrochronologie hinaus wurden verschiedene Datensätzen genutzt, um diese Kalibrationskurve zu erstellen. Über die genau Zusammensetzung wird allerdings noch diskutiert. Jedoch je mehr präsize Datensätze nun zur Konstruktion dieser Kalibrationskurve zur Verfügung stehen, desto verlässlicher wird natürlich auch das Ergebnis der Kalibration. Für die spätglaziale Archäologie ist also der neue Datensatz ein Gewinn, der hoffentlich zu einer verlässlicheren – und wohl in manchen Zeitabschnitten auch zu einer genaueren Datierung beiträgt. Zudem steht es außer Frage, dass jene, die sich mit der späten Eiszeit beschäftigen, auch sehr erfreut über dieses zusätzliche, hochaufgelösten Datenarchiv sind. Der Ausbruch des Laacher See Vulkans wird damit aber eben nicht genauer datiert.

    Antwort
  2. G.Nockemann @ Archäologie Nockemann

     /  22. Oktober 2012

    Vielen Dank Sonja Grimm für diesen Kommentar !

    Antwort

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